Auch in Deutschland wird das atypische Neuroleptikum Clozapin (Handelsname Leponex) zur Behandlung der therapieresistenten Psychose eingesetzt. Um das Risiko von epileptischen Anfällen oder einem Blutdruckabfall beim möglichst gering zu halten empfehlen klinische Richtlinien eine langsame durch Titration erfolgende Dosisanpassung. Diese Empfehlung könnte jedoch eine wirksame Therapie zur Verhinderung von psychotischen Symptomen verzögen.

In einer aktuellen Studie (1) untersuchten Wissenschaftler die Wirksamkeit und das Nebenwirkungsprofil einer rasch erfolgenden Dosisanpassung bei Schizophrenie Patienten untersucht, welche bereits in vorherigen Behandlungen Clozapin erhalten hatten. Auch wurde eine Vergleichsgruppe in der Studie untersucht, welche Clozapin zum ersten Mal erhielt (da diese Patienten nach der Gabe anderer Neuroleptika keine Verbesserung der Psychose gezeigt hatten).

Insgesamt wurde der klinische Verlauf von 111 Patienten dokumentiert, welche am ersten Behandlungstag Clozapin je nach Behandlungsbedarf in einer Dosis von 25-100 mg alle 6 Stunden erhielten, gefolgt von einer entsprechend angepassten Dosis ab dem zweiten Behandlungstag (zusätzliche 25-100 mg/Tag).

In der Gruppe, welche bereits zuvor mit Clozapin behandelt worden war und entsprechend eine schnelle Dosisanpassung erhielt (N=73), stellten sich Psychose Symptome im Durchschnitt bei einer Tagesdosis von 353 ± 174 mg/Tag nach 4.1 ± 3.1 Tagen ein.

In der Vergleichsgruppe, bei welcher eine Erstbehandlung mit Clozapin durchgeführt wurde (N=38), war eine durchschnittliche Tagesdosis von 409 ± 188 mg/Tag notwendig und eine Behandlungszeit von 7.1 ± 4.8 Tagen.

Keiner der behandelten Patienten (N=111) hatte einen epileptischen Anfall, schwerwiegenden Blutdruckabfall, oder anderweitige schwerwiegende Nebenwirkungen (Anmerkung: Weitere gefürchtete Nebenwirkungen sind die Agranulozytose, d.h. eine durch Knochenmarksschädigung verminderte oder gar unterdrückte Bildung von weißen Blutzellen, welche zur Leukopenie führt. Auch eine toxische Myokarditis kann durch Clozapin ausgelöst werden.)

Fazit: In der vorliegenden Studie konnte unter alltäglichen klinischen Bedingen gezeigt werden, dass eine schnell erfolgende Dosiserhöhung von Clopazin effektiv ist und kein erhöhtes Patientenrisiko mit sich bringt.

Anmerkung: Dies wurde in zumindest für Patienten gezeigt, welche bereits im Rahmen einer vorherigen Behandlung Clozapin erhalten haben. Ob dies auch für Patienten mit einer Clozapin Erstbehandlung zutrifft, muss in weiteren Studien belegt werden. Auch lässt sich kritisieren, dass die Autoren keine Angaben zur Verblindung gemacht haben und daher davon auszugehen ist, dass sowohl Patienten als auch das behandelnde Personal über das jeweilige Behandlungsschema in Kenntnis waren.

Die Ergebnisse legen nahe, dass zumindest für Patienten mit Clozapin-Erfahrung eine rasche Dosiserhöhung von Vorteil ist und keine zusätzlichen Risiken birgt.

1- Ifteni P et al. Effectiveness and safety of rapid clozapine titration in schizophrenia. Acta Psychiatr Scand 2014 Jul; 130:25

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