Frei# Die Entscheidung, ob zufällig entdeckte intrakranielle sackförmige Hirn-Aneurysmen therapiert werden sollen, ist für die Ärzte und Patienten eine sehr schwierige Entscheidung. Es liegen wenige Daten über den natürlichen Verlauf der Hirn-Aneurysmen. Mögliche Therapieoptionen sind neurochirurgische Operation oder minimalinvasive Katheter-Eingriffe. Eine aktuelle Studie (1) in der Fachzeitschrift Lancet Neurology kombinierte einzelne Patienten-Daten aus prospektiven Kohortenstudien, um Prädiktoren (Voraussagewerte) für das Rupturrisiko zu bestimmen und eine 5-Jahres-Risikovorhersage-Score (PHASES) zu entwickeln.

Die Autoren führten eine systematische Analyse der individuellen Patientendaten von 8382 Teilnehmern in sechs Studien, bei denen das Outcome als Subarachnoidalblutung definiert war.

Die mittlere beobachtete 1-Jahres-Risiko für Aneurysma-Ruptur betrug 1,4% und die 5-Jahres-Risiko 3,4%. Prädiktoren für Blutungsrisiko waren Alter, Bluthochdruck, Subarachnoidalblutung in der Vorgeschichte, Aneurysma-Größe, Aneurysma-Lokalisation und geografischer Region.

In Studienpopulationen aus Nordamerika und anderen europäischen Ländern als Finnland betrug das geschätzte absolute 5-Jahres-Risiko für Ruptur wie folgt:

0, 25% bei folgender Gesamt-Konstellation: Alter < 70 Jahre, keine vaskuläre Risikofaktoren, eine kleine (<7 mm) Arteria-Karotis-Interna-Aneurysma.

>15% bei folgender Gesamt-Konstellation: Alter > 70 Jahre, vaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Subarachnoidalblutung in der Vorgeschichte, eine große (>20 mm) Aneurysma im hinteren Hirnkreislauf (posterior circulation).

Im Vergleich zu Menschen aus Nordamerika und anderen europäischen Ländern hatten die Finnen ein 3,6-fach erhöhtes Risiko und Japaner ein 2,8-fach erhöhtes Risiko für Aneurysma-Ruptur.

Fazit: Die PHASES-Score ist eine leicht anwendbare Hilfe zur Vorhersage vom Ruptur- und Blutungsrisiko intrakranieller Aneurysmen.

Medknowledge-Anmerkung: Die Patienten mit dem Zufallsbefund Hirnaneurysma, der bei der Bildgebung wie CCT oder Kopf-MRT zufällig diagnostiziert wurde, sind oft sehr ängstlich, obwohl diese Untersuchungen oft wegen anderer Indikationen wie Kopfschmerzen durchgeführt wurde. Viele wollen mit dieser Angst nicht leben, und denken, ein Eingriff könnte das Problem schnell aus der Welt schaffen. Das muss aber gut überlegt sein, weil selbst minimalinvasive Eingriffe schwere Komplikationen verursachen können. Daher wäre es wichtig, dass die Patienten eine zweite Meinung von Experten holen, die mit den anvisierten Eingriffen nichts zu tun haben, und somit die Patienten neutral beraten können. Die aktuelle Studie liefert hier wichtige Entscheidungshilfen.

1-Greving JP, Wermer MJ, Brown RD Jr et al. Development of the PHASES score for prediction of risk of rupture of intracranial aneurysms: a pooled analysis of six prospective cohort studies. Lancet Neurol. 2014 Jan;13(1):59-66. doi: 10.1016/S1474-4422(13)70263-1. Epub 2013 Nov 27.

 

 

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