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Psychologie
- Folter: In jedem steckt ein Folterknecht, 2004
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| Schlüsselwörter:
Krankheit, Therapie, Behandlung, Medikament, Psychologie,
Psyche, Folterer, Gewalt, Gefängnis, Gefangene, Folterknecht, Irak,
Abu Ghraib, Soldat, Armee und Rekrut. |
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Ein
Artikel in Science untersucht die Fragestellung
Psyche und Folter, oder anders gesagt die These,
dass in jedem ein Folterknecht steckt. Dazu sind
zwei interessante Rezensionen im deutschen
Ärzteblatt sowie im Spiegel-Online
erschienen, die wir kurz vorstellen.
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DÄ-Artikel/
Psychologen: “In jedem Menschen steckt ein
Folterknecht”
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"Die
Fotos von Abu Ghraib, der Skandal um “Geiselnahme-Übungen”
bei der Bundeswehr und nicht zuletzt auch der
Frankfurter Prozess um die angedrohte Gewalt gegen
einen Kindesentführer haben das Thema Folter ins öffentliche
Bewusstsein gerückt. Die meisten Menschen lehnen
diese Gewalt ab und würden sich selbst niemals
daran beteiligen, sagen sie. Die psychologische
Forschung kommt zu anderen Ergebnissen, wie jetzt in
Science zu lesen ist.
Dort erinnert die Psychologie-Professorin Susan
Fiske von der Princeton Universität in New Jersey
an die legendären Experimente von Stanley Milgram,
von denen die meisten Psychologie-Studenten bereits
vor ihrem Studium gehört haben. Milligan hatte
seine Experimente zunächst 1963 im Journal of
Abnormal and Social Psychology publiziert und sie später
auch in dem Buch “Obedience to Authority: An
Experimental View, 1974, (deutscher Titel: Das
Milgram-Experiment, zuletzt 1997) beschrieben...
Auch
über die Gründe für dieses “menschliche”
Verhalten haben sich die Psychologen Gedanken
gemacht. Für die Rekruten in Abu Ghraib sei es völlig
normal gewesen, sich an der Folter zu beteiligen.
Sie hätten völlig konform mit der Kultur ihrer
Organisation und den Erwartungen ihrer Umgebung
gehandelt und sicher nicht an einen Regelverstoß
gedacht. Die Rekruten hätten sich in einem
hierarchischen System befunden, und sie hätten die
Befehle ihrer Vorgesetzten befolgt, so wie man es
ihnen in der Ausbildung beigebracht habe. Wenn sie
daran gedacht hätten, etwas Unrechtes zu tun, hätten
sie ihre Taten nicht auch noch in den Digitalfotos
dokumentiert, die die weltweite Empörung auslösten.
Doch Abu Ghraib könne nicht allein durch militärischen
Gehorsam und sozialen Druck in der Gemeinschaft von
Soldaten erklärt werden. Auch die Erfahrung, dass
viele Kameraden im Krieg zu Tode kommen, könne eine
Stressreaktion auslösen, die sie zu einem Verhalten
provoziere, das sie unter anderen Umständen
ablehnen würden. Schließlich spielen auch die
kulturellen Unterschiede eine Rolle. Wenn der
Gefangene als austauschbares Mitglied einer anderen
potenziell gefährlichen Gruppe angesehen werde,
steige die Gefahr, dass die Soldaten den Fremden mit
Abscheu und Furcht begegnen. Weitere Faktoren seien
ein laxes Kommandoklima, die langen Einsatzzeiten
und vielleicht auch die widrigen klimatischen Umstände
(Hitze) gewesen.
All dies entschuldige das individuelle Verhalten der
Soldaten nicht, liefere aber möglicherweise
Hinweise dafür, wie ähnliche Verfehlungen in
Zukunft vermieden werden könnten. Fiske rät, den
Kontakt der Soldaten zu den Irakern zu
intensivieren. Wenn man Mitglieder der anderen
Gruppe persönlich kenne, sei die Gefahr von
Misshandlungen auch in Stresssituationen geringer...."
Mehr
im DÄ...
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Artikel
im Spiegel-Online/
Psychologie-Studie: In jedem steckt ein
Folterknecht
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"Waren
der Folterskandal von Abu Ghureib oder die Demütigung
von Bundeswehr-Rekruten das Werk vereinzelter
Sadisten? Psychologen haben 25.000 Studien mit
insgesamt acht Millionen Teilnehmern ausgewertet.
Das Ergebnis: Jeder Mensch ist fähig, andere brutal
zu quälen...
In
extremen Situationen kollabiere offenbar das unter
normalen Bedingungen vorhandene Sozialverhalten.
Folterungen und die Unterdrückung Einzelner seien
daher entgegen bisheriger Annahmen von nahezu allen
Menschen zu erwarten. "Praktisch jeder kann
aggressiv werden, wenn er gestresst ist",
schreibt das Team um Fiske...
Die Situation der in Abu Ghureib eingesetzten 800.
Militärpolizei-Brigade entsprach den
Wissenschaftlern zufolge genau jenem fatalen Mix,
aus dem der Psycho-Kollaps resultiert. Die Soldaten
waren ständiger Todesgefahr ausgesetzt, sie hatten
permanent Angst und mussten Tag für Tag mit
ansehen, wie ihre Kameraden starben.
Zur
Folterfalle aber wurde das Gefängnis für die
inhaftierten Iraker erst dadurch, dass die Täter für
solche Extremsituationen in keiner Weise geschult
waren, so die Forscher. Sie betrachteten die
Gefangenen schlichtweg als Feind, den es im
Interesse der Gemeinschaft zu unterdrücken galt...
Selbst
wenn ein Soldat Bedenken hegen und Kontakt zu den
Entscheidern herstellen wollte - die extrem starren
Befehlsketten würden es ihm von vornherein
verbieten. Der Folterer glaubt, befugt zu sein und
im Interesse "seiner" Gemeinschaft das
Richtige zu tun.
Duldung durch Vorgesetzte
Nach Ansicht der Wissenschaftler müssten aber diese
Risiken auch der Armeeführung bekannt gewesen sein...
Dass
normale Menschen unter solchen Umständen zu Bestien
werden können, sieht Fiske bereits durch die
Studien von Stanley Milgram in den siebziger Jahren
bewiesen. In Milgrams Experimenten hätten
Freiwillige anderen Menschen tödliche
Elektroschocks gegeben, wenn man ihnen gesagt hatte,
dass dies zur Durchführung des Versuchs notwendig
sei. Bei der anschließenden Besprechung hätten
Milgrams Studenten geschworen, dass sie sich niemals
so verhalten hätten, sagt Fiske. "Aber wenn
sie an ähnlichen Experimenten teilnehmen, tun sie
es doch.". Macht korrumpiert auch normale
Menschen (Stanford Prison Experiment) ...“
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