Wirksamkeit
von Hüftprotektoren zum Schutz vor Hüftfrakturen
bei Pflegeheimbewohnern: HIP PRO, eine randomisierte
kontrollierte Studie.
HINTERGRUND:
Vorausgegangene Studien über die Wirksamkeit von
Hüftprotektoren zum Schutz vor Hüftfrakturen bei
Pflegeheimbewohnern erbrachten widersprüchliche
Ergebnisse. Grund dafür mag ein Bias aufgrund von
Cluster-Randomisierung der Studien als auch eine
mäßige Compliance der Teilnehmer gewesen
sein.
ZIEL:
Untersucht werden sollte, ob Hüftprotektoren,
welche die Aufprallenergie absorbieren und
verteilen, das Risiko von Hüftfrakturen bei
Pflegeheimbewohnern verringern.
DESIGN,
ORT UND TEILNEHMER: In einer randomisierten,
kontrollierten, klinischen Multicenter-Studie wurden
37 Pflegeheime nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen
zugeteilt. Die Bewohner trugen einen einseitigen
Hüftprotektor, je nach Gruppe entweder an der
linken oder rechten Hüfte. An der Studie nahmen
1042 Pflegeheimbewohner mit einem mittleren Alter
von 85 Jahren [SD 7 Jahre] teil, 79% waren Frauen.
Die Teilnehmer stimmten der Studie zu, trugen den
Hüftprotektor vorab während einer zweiwöchigen
Probephase und wurden registriert. Die Studienorte
lagen im Großraum Boston (Massachusetts), St Louis
(Missouri) und Baltimore (Maryland), der
Studienzeitraum war Oktober 2002 bis Oktober 2004.
Die mittlere Teilnahmedauer der Pflegeheimbewohner
lag bei 7,8 Monaten. Es wurde kein Studienabbruch
aufgrund von Nebenwirkungen registriert.
VORGEHENSWEISE:
Zu tragen war Unterwäsche mit einem einseitig
eingearbeiteten Hüftprotektor aus drei Schichten:
einer 0,32 cm dicken äußeren Polyethylen-Schale
(2,7 kg/m3), einem festen, hoch verdichteten
Polyethylen-Schild (0,95 cm) und einem
Ethylenvinylacetat-Schaum (0,9 kg/m3; 1,27 kg).
Jeder Studienort wurde dreimal wöchentlich besucht,
um die Compliance der Teilnehmer zu bestimmen und
das Personal zu beraten.
ZIELPUNKTBESTIMMUNG:
Häufigkeit von Hüftfrakturen auf der gepolsterten
versus der ungepolsterten Hüftseite.
ERGEBNISSE:
Die Studie wurde nach 20-monatigem Follow-up
(Betrachtung von 676 Personenjahren) aufgrund
mangelnder Wirksamkeit abgebrochen. Die Inzidenz von
Hüftfrakturen war auf der geschützten und der
ungeschützten Hüftseite gleich (3,1%; 95%
Konfidenzintervall [KI], 1,8%-4,4% versus 2,5%; 95%
KI, 1,3%-3,7%; p = 0,7). Bei den 334
Pflegeheimbewohnern, die den Hüftprotektor >80%
der Zeit trugen, ergab sich kein Unterschied in der
Inzidenz von Hüftfrakturen auf der geschützten und
der ungeschützten Hüftseite (5,3%; 95% KI,
2,6%-8,8% versus 3,5%; 95% KI, 1,3%-5,7%; p = 0,42).
Der Hüftprotektor wurde insgesamt in 73,8% der Zeit
angelegt.
SCHLUSSFOLGERUNGEN:
In der vorliegenden Studie an US-amerikanischen
Pflegeheimen wurde die Wirksamkeit von
Hüftprotektoren untersucht, welche die
Aufprallenergie absorbieren und verteilen. Trotz
guter Compliance der Patienten konnte kein Schutz
vor Hüftfrakturen festgestellt werden. Dieses
Ergebnis fügt sich zu einer steigenden Zahl an
Hinweisen, dass Hüftprotektoren der heutigen
Bauweise keine wirksame Prävention vor
Hüftfrakturen bei Pflegeheimbewohnern bieten.
-
Kiel
DP et al. Efficacy of a hip protector to prevent
hip fracture in nursing home residents: The
HIP-PRO randomized controlled trial. JAMA 2007
Jul 25; 298:413-22.