Eine
transiente Amnesie kann die Hauptmanifestation einer
Epilepsie sein. Diese Diagnose wird jedoch von
Klinikern selten vermutet und bleibt kontrovers.
Die
amnestischen Attacken sind oft mit persistierenden
Gedächtnisstörungen assoziiert. Die Studie in den
„Annals of Neurology“ wurde angelegt, um eine
Erstbeschreibung der transienten epileptischen
Amnesie bei einer umfangreichen Patientenserie zu
liefern.
In
18 Monaten wurden 50 Patienten nach den folgenden
Kriterien ausgewählt:
-
rezidivierende
bestätigte Amnesieepisoden
-
übrige
kognitive Funktionen während der Attacken
intakt
-
zwingende
Beweise für eine Epilepsie
Alle
Patienten hatten rekurrente Amnesie-Episoden,
währenddessen andere kognitive Funktionen nach
Zeugenaussagen intakt waren. Epilepsie-Diagnose
wurde mindestens auf einen der folgenden Drei
kriterien verknüpft:
-
Hinweise
auf Epilepsie in EEG
-
Vorhandensein
von anderen Epilepsie-Syndrome wie Lippen- oder
Zungenbiss, olfaktorielle Halluzinationen
(Täuschungen des Geruchssinnes)
-
Ansprechen
auf antikonvulsiva Therapie
Ergebnisse:
Die transiente epileptische Amnesie entwickelt sich
im späteren Leben (mittleres Lebensalter bei Beginn
62 Jahre). Amnestische Episoden treten häufig auf
(Median: 12 pro Jahr), sind kurz (mittlere
Zeitspanne 30-60
Minuten)
und treten oft beim Aufwachen auf (in 37 von 50
Fällen). Bei lediglich 12 von 50 Fällen wurde die
Erstdiagnose Epilepsie durch einen Spezialisten
gestellt. Die Attacken endeten auf Gabe von
Antikonvulsiva bei
44
von 47 behandelten Fällen. Insgesamt wurden bei 40
von 50 Fällen persistierende Gedächtnisprobleme
beschrieben. Trotz normaler Ergebnisse in
Standardgedächtnistests wiesen die Patienten mehr
als 3 Wochen lang ein
beschleunigtes
Vergessen von verbalem und visuellem Material auf
verglichen mit einer Kontrollgruppe. Sie zeigten
ebenso einen Verlust an autobiografischen
Erinnerungen bei Ereignissen, die über 40 Jahre
zurücklagen.
Interpretation:
Die Autoren schlagen die transiente epileptische
Amnesie als spezifisches Epilepsiesyndrom vor, das
typischerweise beim Auftreten fehlinterpretiert wird
und assoziiert ist mit beschleunigtem
Langzeitgedächtnisverlust und autobiographischer
Amnesie. Das Syndrom ist von klinischer und
theoretischer Bedeutung.
-
Butler
CR et al. The syndrome of transient epileptic
amnesia. Ann Neurol 2007 Jun; 61:587-98.