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Erneute Analyse vom Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) und die Assoziation zwischen Finasterid (Proscar®) und hochgradigem Prostatakrebs, 2007

Schlüsselwörter: Prostate Cancer Prevention Trial, PCPT, Prävention, Prostatakrebs, Prostatakarzinom, Finasterid, Proscar, 5-alpha-Reduktase-Hemmer, benigne Prostatahyperplasie, BPH, Risiko, maligner Tumor, PSA-Wert, Krankheit, Studie, Therapie, Behandlung, Medikament und Studien. 

In der Präventionsstudie PCPT (1) wurde die Annahme überprüft, dass die Einnahme von Finasterid (Proscar®) das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, reduzieren kann. Die Studie ergab damals 2003 jedoch den gegenteiligen Effekt: In der Finasterid-Gruppe wurde im siebenjährigen Studienzeitraum eine größere Anzahl höher maligne Tumoren diagnostiziert als in der Kontrollgruppe.

Jetzt hat eine aktuelle erneute Analyse (2) der Daten der PCTP-Studie gezeigt, dass die Assoziation zwischen Finasterid (Proscar®) und hochgradigem Prostatakrebs vermutlich ein Artefakt (Bias) aufgrund unterschiedlicher Gewebeproben-Dichte in der Finasterid- und Kontrollgruppe bedingt war. 

Detections-Bias durch Finasterid-Effekt auf das Prostatavolumen: ein Ansatz zur Analyse des Prostate Cancer Prevention Trial.

HINTERGRUND: Das Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) ergab für Patienten mit Finasterid-Behandlung (5 mg täglich) eine 24,8%-ige Senkung der 7-Jahres Prävalenz von Prostatakarzinom verglichen mit Plazebo-behandelten Patienten. Allerdings wurde für Tumore mit hohem Gleason-Grad ein Prävalenzanstieg von 25,5% festgestellt, dessen klinische Bedeutung unklar ist. Eine mögliche Erklärung für diesen Anstieg könnte sein, dass Finasterid zur Reduktion des Prostatavolumens führt. Aufgrund der gesteigerten Dichte der Gewebeproben könnten so vermehrt high-grade Tumore detektiert worden sein. In der vorliegenden Arbeit wurde diese Hypothese nach Korrektur der PCPT-Daten auf die Gewebeproben-Dichte untersucht.

METHODEN: Anhand der Plazebo-Gruppe des PCPT (n = 4775) wurde ein logistisches Analysemodell entwickelt. Hierbei wurde die Assoziation von high-grade Prostatakarzinomen (Gleason-Grad 7-10) mit den Basis-Covariablen und/oder den Basis-Covariablen plus Prostatavolumen sowie der Anzahl von Biopsie-Stanzen berechnet. Das Modell wurde anschließend auf die Finasterid-Gruppe (n= 5123) angewendet, um die vorhergesagte und die beobachtete Anzahl von high-grade Tumoren in dieser Gruppe zu vergleichen. In einem zweiten Ansatz wurde die Odds Ratio (OD) für Prostatakarzinome in der Finasterid- versus der Plazebo-Gruppe berechnet. Hierzu wurden Modelle der binären und polytomen logistischen Regression eingesetzt, welche die Covariablen Drüsenvolumen und Anzahl der Biopsie-Stanzen einbezogen oder ausschlossen.

ERGEBNISSE: Für die Finasterid-Gruppe ergab sich ein um 25% niedrigeres mittleres Prostatavolumen (Median = 25,1 cm3) im Vergleich zur  Plazebo-Gruppe (Median = 33,5 cm3). Nach dem für die Plazebo-Gruppe entwickelten logistischen Modell sank die Detektionswahrscheinlichkeit eines high-grade Prostatakarzinoms mit einem gesteigerten Drüsenvolumen (je 10 cm3 Anstieg des Prostatavolumens, OR = 0,81, 95% Konfidenzintervall [KI] = 0,74 bis 0,90). Basierend auf diesem Modell wurden in der Finasterid-Gruppe 239 high-grade Prostatakarzinome vorausgesagt und 243 tatsächlich beobachtet. Der Unterschied ist nicht statistisch signifikant. Für die Gesamtheit der Teilnehmer wurde die OR eines high-grade Tumors unter Anwendung des binären Outcome-Modells im Vergleich von Finasterid- und Plazebo-Gruppe berechnet. Bei Korrektur der Basis-Covariablen ergab sich eine OR von 1,27 (95% KI = 1,05 bis 1,54), die bei zusätzlicher Anpassung auf das Drüsenvolumen und die Anzahl von Biopsie-Stanzen auf 1,03 (95% KI = 0,84 bis 1,26) verringert war. Unter Anwendung des polytomen Modells ergab sich nach entsprechender  Korrektur eine Senkung von 1,14 (95% KI = 0,94 bis 1,38) auf 0,88 (95% KI = 0,72 bis 1,09).

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Postrandomisierungsdaten sind sicherlich mit Vorsicht zu analysieren. Die Ergebnisse der Studie legen aber nahe, dass der Überschuss von high-grade Karzinomen in der Finasterid-Gruppe des PCPT allein mit dem Bias aufgrund unterschiedlicher Gewebeproben-Dichte zu erklären sein könnte.

  1. PCPT: Präventionsstudie zum Prostatakrebs mit Finasterid (Proscar®)

  2. Cohen YC et al. Detection bias due to the effect of finasteride on prostate volume: A modeling approach for analysis of the Prostate Cancer Prevention Trial. J Natl Cancer Inst 2007 Sep 19; 99:1366.

 

 

 

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Stand: 20. September 2008