|
Aktuelle
Studie: Bei schwerkranken Patienten kommt
bluttransfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz
(TRALI) relativ häufig vor. Anscheinend sind sowohl
patienten- als auch transfusionsbezogene
Risikofaktoren bestimmen die Wahrscheinlichkeit
einer TRALI nach Bluttransfusion: Beispielsweise
haben Patienten mit bestimmten Diagnosen wie Sepsis,
die von weiblichen Spendern Bluttransfusion
erhalten, ein höheres Risiko für TRALI. Bevor
jedoch anhand dieser Daten entsprechende Strategien
(keine Bluttransfusion von weiblichen Spendern bei
Schwerkranken) entwickelt werden, müssten die
Ergebnisse der aktuellen Studie (1) in prospektiven
Studien reproduziert werden.
|
Transfusionsassoziierte
akute Lungeninsuffizienz bei Patienten mit
instabilem Zustand: prospektive
„nested“-Fallkontrollstudie.
HINTERGRUND:
Die Transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz (TRALI),
eine akute Lungeninsuffizienz (ALI) innerhalb von
sechs Stunden nach Transfusion, gilt als häufigste
transfusionsassoziierte Todesursache. Als
Risikofaktoren der TRALI wurden mehrere
Transfusionsmerkmale postuliert, deren Evidenz aber
lediglich aus retrospektiven Studien abgeleitet
wurde.
ZIELE:
Patienten- und transfusionsbezogene Risikofaktoren
sollten bei Patienten mit und ohne ALI verglichen
werden.
METHODEN:
In dieser prospektiven Kohortenstudie wurden
aufeinander folgende Patienten mit instabilem
Zustand nach Transfusion hinsichtlich der
Entwicklung einer ALI eng beobachtet. Von den zur
Transfusion eingesetzten Blutkonserven wurden Proben
genommen. Die Risikofaktoren von
Transfusionspatienten mit ALI und transfundierten
Kontrollpatienten wurden verglichen. Die Patienten
wurden auf Alter, Geschlecht und Einweisungsdiagnose
abgeglichen.
MESSUNGEN
UND HAUPTERGEBNISSE: 74 von 901 transfundierten
Patienten erlitten innerhalb von sechs Stunden nach
Transfusion eine ALI (8%). Im Vergleich zu transfundierten
Kontrollpatienten entwickelten ALI-Patienten häufiger
eine Sepsis (37% versus 22%, p = 0,016) oder hatten
eine Vorgeschichte mit chronischem Alkoholabusus
(37% versus 18%, p = 0,006). Abgeglichen auf
Patientencharakteristika ergaben sich folgende
Assoziationen zwischen ALI und spenderbezogenen
Gegebenheiten: Plasmatransfusion von weiblichen
Spendern (Odds Ratio[OR] 5,09;
95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 1,37-18,85) versus männlichen
Spendern (OR 1,60; 95%-KI 0,76 - 3,37), Anzahl von
Schwangerschaften der Spenderinnen (OR 1,19; 95%-KI,
1,05 – 1,34), Anzahl von Blutkonserven positiv für
Anti-Granulocyten-Antikörper (OR 4,85; 95%-KI
1,32-17,86) oder Anti-HLA-Klasse-II-Antikörper (OR
3,08; 95%-KI 1,15-8,25) sowie die
Lysophosphatidylcholin-Konzentration im gespendeten
Blutprodukt (OR 1,69; 95%-KI 1,10 – 2,59).
SCHLUSSFOLGERUNGEN:
Sowohl patienten- als auch transfusionsbezogene
Risikofaktoren bestimmen die Wahrscheinlichkeit von
ALI nach Transfusion. Transfusionsfaktoren bieten
interessante Angriffspunkte zur Prävention von ALI.
|