|
| |
Das
Diuretikum Furosemid (Lasix®) vs. Bisphosphonate bei akuter
Hyperkalzämie, 2008
|
|
Eine
Studien-Übersicht fand keinen Evidenz für
den Einsatz von Diuretikum Furosemid (Lasix®)
bei akuter Hyperkalzämie (Kalziumüberschuss)
|
|
Obwohl
primäre Hyperparathyreoidismus die häufigste
Ursache der Hyperkalzämie ist, erfordert die
durch eine Krebskrankheit bedingte Hyperkalzämie
am häufigsten Interventionen, um den
Kalziumspiegel im Serum zu sinken. Es wird
geschätzt, dass ca. 10% bis 20% der
Krebs-Patienten eine Hyperkalzämie
entwickeln.
|
|
Viele
Lehrbücher empfehlen NaCl-Infusionen plus
Furosemid (Lasix) für die Erstbehandlung
einer Hyperkalzämie. Auch in Deutschland wird
diese Kombination unter dem Begriff
„forcierte Diurese“ häufig eingesetzt, um
sozusagen Calcium über die Nieren forciert
auszuscheiden.
|
|
In
einer aktuellen Arbeit haben Mediziner eine
Literaturrecherche der seit 1950 publizierten
Studien und Fallberichte, in denen Furosemid
oder Bisphosphonate gegen Hyperkalzämie
eingesetzt wurden, durchgeführt.
|
|
Insgesamt
haben die Wissenschaftler 9 Berichte
(die meisten nach 1983) gefunden, bei denen 37
Patienten mit Hyperkalzämie mit Furosemid
behandelt wurden. Kalzium hatte sich in 14 von
39 Episoden normalisiert, innerhalb von 12
Stunden jedoch in nur zwei Fällen. Patienten
wurden intensiv per Monitor beobachtet, und
die Flüssigkeit- und Elektrolyt-Verluste
wurden kompensiert. Die häufigsten
Komplikationen waren Hypernatriämie,
Metabolische Azidose, Hypophosphatämie Koma
und Hypomagnesiämie sowie Tetanie und veränderte
Bewusstseinslage.
|
|
Auf
der anderen Seite wurden 56 klinische Studien
(34 randomisiert) identifiziert, in denen mehr
als 1000 Patienten mit Bisphosphonaten
behandelt wurden. Bei 26 Studien mit
Bisphosphonat-Einsatz bei Krebs-Hyperkalzämie
hatte sich der Calcium in 70% der Fälle
normalisiert. Die Autoren empfahlen
Bisphosphonate plus Volumensubstitution als
Standardtherapie bei Hyperkalzämie.
|
|
Fazit:
Die Literaturrecherche zum Furosemid-Einsatz gegen
Hyperkalzämie lieferte nur vereinzelte
Fall-Berichte, die vor der Einführung der
Bisphosphonat-Therapie für diese Indikation
publiziert wurden. Zu der Bisphosphonat -Therapie
gegen Hyperkalzämie indes sind inzwischen mehrere
randomisiert-kontrollierte Studien erschienen.
Die
Autoren raten anhand dieser Ergebnisse von einem
Furosemid-Einsatz gegen Hyperkalzämie ab.
NaCl-Infusionen plus Bisphosphonate (mit oder ohne
Calcitonin) sollte die Standardtherapie der
Hyperkalzämie sein.
|
|
Medknowledge-Anmerkung:
Es überrascht einwenig, dass die forcierte
Diurese mit Furosemid so schlecht
abgeschnitten hat. Bisher hatte ich in meiner
klinischen Tätigkeit in einzelnen Fällen
akute Hyperkalzämien durch „forcierte
Diurese“ bestehend aus Volumengabe plus
Furosemid (Lasix) ebenfalls behandelt. In den
meisten Fällen kam es innerhalb von 12
Stunden zu einem Rückgang der Hyperkalzämie.
Schwere Komplikationen, wie in den obigen Fällen
berichtet – wie Koma usw.- habe ich nicht
beobachtet. In den oben berichtetenen Fällen
wurden sehr hohe Furosemid-Dosen zwischen 240
mg to 2400 mg eingesetzt. Hängen die
Komplikationen vielleicht mit diesen sehr
hohen Furosemid-Dosen zusammen? Waren sie
besonders schwere Fälle, die man in der täglichen
Praxis in dieser Form selten trifft? Hatte man
vielleicht deswegen daraus Fallberichte
gemacht?
Desto
trotz scheint sich, die Therapie der akuten
Hyperkalzämie mit Biphosphonaten plus
Volumensubstitution, die sich auf mehrere
randomisierte Studien stützt, sich bei dieser
Indikation als Standardtherapie etabliert zu
haben.
Dr.
med. Fevzi Koc
|
-
LeGrand
SB et al. Furosemide for hypercalcemia: An
unproven
|
|
|
|
|
| Schlüsselwörter: Bisphosphonat,
Diuretikum Furosemid, Alendronsäure, Fosamax, Lasix, akute
Hyperkalzämie, Diuretika, Schleifendiuretika, Hyperkalcämie,
Calcium, Kalzium, Bisphosphonate, Calcitonin, Krebs, primäre
Hyperparathyreoidismus, Zoledronsäure, Zometa, Krankheiten, Studie,
Erkrankungen, Gesundheit, Studien, Medizin, Arzt, Kliniken,
Therapien, Behandlungen |
|
|
|
|
|
| |
|