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WHO und das
Vertrauen der Verbraucher: Welche Lehren sind aus der
Schweinegrippe-Pandemie zu ziehen, 06/10
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Spiegel-Online
berichtete (siehe unten) über
einen kritischen Artikel im "British Medical Journal"
(1), der zusammen mit der englischen
Journalisteninitiative Bureau of Investigative
Journalism (BIJ) veröffentlicht wurde. Darin wird
der Vorwurf erhoben, finanzielle Interessen der WHO-Berater hätten die vor einem Jahr getroffene Entscheidung, die H1N1-Epidemie zu einer
Pandemie zu erklären, beeinflusst. Inzwischen hat
die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, in einem offenen Brief an das Britische Ärzteblatt (BMJ) dem Vorwurf entgegengetreten
(2).
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Medknowledge-Anmerkungen
über die bisher fehlenden Konsequenzen aus der
Schweinegrippe-Pandemie
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Bisher
ist über den Verlauf der Schweinegrippe
und die unnötig entstandenen Kosten viel
geschrieben worden. Man hat jedoch aus den
Fehlentscheidungen der Schweinegrippe-Epidemie wenig
Schlussfolgerungen gezogen. Die folgenden Punkte
wären dabei von entscheidender Bedeutung.
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Der
internationale Pandemie-Notfallplan muss
überarbeitet werden:
Die
WHO definiert derzeit eine Pandemie (Stufe
6 der Warnstufen der WHO)
nur danach, wie
schnell sich ein neues Virus weltweit verbreitet.
Dabei spielt es keine Rolle, wie gefährlich eine
Krankheit ist, die die Erreger hervorrufen. Und
sobald die WHO eine Pandemie ausruft, tritt in
Deutschland der Pandemie-Notfallplan automatisch in
Kraft.
Welche
Folgen und unnötige Kosten so eine Automatismus
hat, hat man bei der Schweinegrippe-Epidemie
gesehen, die insgesamt relativ mild verlaufen
ist.
Die
WHO-Definition müsste dahingehend geändert
werden, dass die sich schnell ausbreitende
Infektionskrankheiten erst dann zur Pandemie
erklärt werden, wenn daraus eine große Gefahr
hervorgeht.
Wenn die
Definition jedoch in der Form
weiterhin Bestand haben sollte, müsste in
Deutschland überprüft werden, ob die Ankopplung der Ausrufung des
Pandemie-Notfallplans an die WHO in dieser Form
bestehen bleiben sollte.
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Politik
und Entscheidungen:
Die
Politik
hat sich insgesamt bei der damaligen
Entscheidungsfindung von den gesundheitlichen
Behörden in Deutschland fachlich nicht genügend
unterstützt gefühlt. Die verantwortlichen
Behörden das Robert-Koch-Institut (RKI)
und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) haben zwar viele
Daten veröffentlicht, konnten aber der Politik in
den entscheidenden Momenten keine klare
Handlungs-Empfehlungen geben, die den Politikern
ermöglicht hätte, sich gegen die Panikmache zu
stellen, und mit den Pharmakonzernen freier zu
verhandeln. Die Leiter dieser Institute kommen
traditionell aus dem Wissenschaftsbereich. In
Deutschland müsste es darüber nachgedacht werden, ob man in Zukunft
vorwiegend praktizierende Mediziner mit
entsprechenden Erfahrungen im Bereich Infektiologie
als oberste Impfstoffkontrolleure des Landes
erwägen sollte. Ärzte mit klinischer Erfahrung
hätten den Vorteil, dass sie womöglich die
theoretischen und reellen Gefahren einer Pandemie
besser abschätzen könnten.
Als
positives Beispiel in diesem Sinne kann man Prof. Wolf-Dieter Ludwig
nennen, der Vorsitzender der Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft ist und gleichzeitig als
Chefarzt in der Klinik für Hämatologie, Onkologie
der Robert-Rössle-Klinik in Berlin arbeitet. Herr
Prof. Ludwig hatte die Öffentlichkeit während der
Impfkampagne kritisch, aber gleichzeitig
verantwortungsvoll informiert.
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Pharmakonzerne
und Diktate:
Wenn
die Strukturen des Pandemieplanes klinischen
Verläufen angepasst, und transparenter gestaltet
werden, hätte die Politik gegenüber Pharmakonzernen
bei den Absprachen über die notwendigen Impfstoff-Bestellungen
und
Preisen dann mehr Handlungsraum.
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Presse
und Panikmache:
Die
Presse hat sicherlich damals die Hysterie mit
gefördert. Man muss jedoch dazu sagen, dass die Presse vornehmlich dann seine Chance
für
Schlagzeilen und Panikmache wittert, wo eben keine
Transparenz ist, und vor allem wenn die Experten
unterschiedlicher Meinung sind..
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--Spiegel-Bericht:
Schweinegrippe-Pandemie:
Wie die WHO das Vertrauen der Verbraucher verseucht, 09.06.10
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Bericht vom Bureau of Investigative
Journalism (BIJ) in BMJ
"Hat
die Pharmaindustrie die Schweinegrippepanik mit Zahlungen an
Wissenschaftler geschürt? Drei Seuchenexperten der
Weltgesundheitsorganisation haben Geld von Konzernen erhalten. Jetzt
verteidigt sich die WHO in einem offenen Brief - für Transparenz
sorgt sie damit aber nicht..."
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--Stellungnahme
der WHO: WHO weist Vorwürfe zu Interessenkonflikten zurück, 10.06.10
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"Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
Margaret Chan, ist in einem offenen Brief (2) an das Britische
Ärzteblatt (BMJ) dem Vorwurf entgegengetreten, finanzielle
Interessen ihrer Berater hätten die vor einem Jahr getroffene
Entscheidung, die H1N1-Epidemie zu einer globalen Bedrohung zu
erklären beeinflusst..."
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- Conflicts of
Interest: WHO and the pandemic flu "conspiracies". BMJ 2010;340:c2912
(Deborah Cohen, features editor, BMJ, Philip Carter, journalist, The Bureau of Investigative
Journalism, London)
- WHO Director-General’s letter to BMJ editors
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