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Intensivierte
Blutzuckerkontrolle und Mortalität bei Hämodialysepatienten, 2010
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Eine
aktuelle Studie (1) untersuchte die Frage nach dem
Einfluss der Blutzucker-Kontrolle auf
kardiovaskuläre Komplikationen und Mortalität bei
Dialysepatienten mit Diabetes.
Die
Ergebnisse zeigten, dass höhere
Gelegenheits-Glukose-Werte und Hämoglobin A1c
(HbA1c)-Werte bei Langzeit-Dialyse-Patienten
mit oder ohne Diabetes nicht mit einer höheren
Mortalität assoziiert waren. Bei der Management der
Dialyse-Patienten sollten die Ärzte daher keine
intensivierte Blutzucker-Kontrolle anstreben und
unnötige Hypglykämien vermeiden.
In
den letzten Jahren werden bei Diabetes-Patienten
zunehmend von einer zu intensiven Blutzucker-,
Lipid- und Blutdruck-Kontrolle abgeraten: Nachdem es
in der ACCORD-Studie
gezeigt wurde, dass eine intensivierte
Insulintherapie (mit dem HbA1c-Zielwert unter 7%) vor allem bei älteren Patienten mit
Diabetes-Typ-II die Mortalität eher erhöht als
sinkt, liefert eine weitere aktuelle Beobachtungsstudie
ähnliche Ergebnisse zur intensiven Blutdrucksenkung
bei Diabetikern mit KHK.
Bereits
die ACCORD-Blutdruck-Studie
zeigte Anfang 2010 ebenfalls, dass eine Senkung der
systolischen Blutdruckes bei
Diabetes-Typ-2-Patienten unter 140mmHg die
kardiovaskulären Komplikationen nicht verhinderte.
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Ausführlichere Daten
der aktuellen Studie (1):
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Blutzucker-Kontrolle
und Mortalität bei 1.484 Langzeit-Dialyse-Patienten
HINTERGRUND:
Es ist umstritten, ob eine engmaschigere Blutzucker-Kontrolle bei
Patienten mit Nierenversagen zu besseren klinischen Verläufen führt.
Die Autoren wollten feststellen, ob eine schlechtere Kontrolle des
Blutzuckers, erfasst durch Messungen der Glukose im Serum und des
Hämoglobin A1c (HbA1c)-Spiegels, einen unabhängigen Risikofaktor
für eine höhere Mortalität bei Patienten darstellt, die eine
Langzeit-Dialyse-Therapie erhalten.
STUDIEN-DESIGN:
Retrospektive Kohorten-Studie.
UMFELD
UND TEILNEHMER: 1.484 Patienten, die zwischen 2001 und 2007 in
Alberta, Kanada, mit Langzeit-Dialyse begannen.
EINFLUSSGRÖSSEN:
Serum-Glukose und HbA1c-Spiegel.
VERLAUFSPUNKTE:
Mortalität durch alle Todesursachen.
MESSUNGEN:
Über einen Zeitraum von je drei Monaten vor und nach Beginn der
Hämodialyse-Therapie wurden aus monatlichen Messungen der
Gelegenheits-Glukose-Spiegel, die jeweils vor Dialyse-Beginn bestimmt
wurden, Durchschnittswerte gebildet. In ähnlicher Weise wurde bei
Patienten mit manifestem Diabetes oder mit einem Risiko für die
Entwicklung eines Diabetes der Durchschnittswert aus monatlichen
Messungen des HbA1c-Spiegels bestimmt.
ERGEBNISSE:
Insgesamt betrug das mittlere Alter 66 Jahre, 41% der Teilnehmer waren
Frauen, 75% waren weißer Hautfarbe und 55% der Teilnehmer hatten
Diabetes. Die Mortalität durch alle Todesursachen während der Zeit
der Teilnahme an der Studie von maximal 8 Jahren (Beobachtungszeit im
Mittel 1,5 Jahre) betrug 43%; bei Patienten mit Diabetes betrug sie
49%. Es gab keine Assoziation zwischen dem Durchschnitts-Glukose-Wert
und der Mortalität bei nicht-adjustierten Analysen (relatives Risiko
[RR]: 1,00 pro 18 mg/dl [1 mmol/L]; P=0,4) oder nach Adjustierung für
Störfaktoren (RR: 0,98 pro 18 mg/dl; 95% KI: 0,96-1,01; P=0,2).
Höhere HbA1c-Werte waren weder in der nicht-adjustierten Analyse (RR:
1,01 pro 1% HbA1c; P=0,9) noch nach Adjustierung für Störfaktoren
(RR: 0,98 pro 1% HbA1c; 95% KI: 0,88-1,08; P=0,7) mit Mortalität
assoziiert. Die Ergebnisse waren ähnlich, wenn die HbA1c-Werte in
vordefinierte Kategorien eingeteilt wurden (adjustiertes P > 0,6
für die Tendenz). Die Ausprägung von Messwerten für Malnutrition
und Entzündung (Albumin, Hämoglobin, weiße Blutkörperchen) oder
das Vorhandensein eines Diabetes beeinflussten die Beziehung zwischen
der Blutzucker-Kontrolle und der Mortalität nicht (alle P für
Interaktionen > 0,2).
EINSCHRÄNKUNGEN:
Die Daten wurden einem Register entnommen. Außerdem waren die
Gelegenheits-Messungen der Serum-Glukose und der HbA1c-Werte nur für
eine Untergruppe der Teilnehmer verfügbar.
SCHLUSSFOLGERUNGEN:
Höhere Gelegenheits-Glukose-Werte und Hämoglobin A1c (HbA1c)-Werte
waren bei Langzeit-Dialyse-Patienten mit oder ohne Diabetes nicht mit
Mortalität assoziiert. Dies könnte für die Empfehlung von
Blutzucker-Zielwerten und Qualitäts-Indikatoren sowie für die
optimale Strategie der Blutzuckerkontrolle bei diesen
Hoch-Risiko-Patienten bedeutend sein.
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- Shurraw
S et al. Glycemic control and the risk of death in 1,484 patients
receiving maintenance hemodialysis. Am J Kidney Dis 2010 May;
55:875.
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