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Gicht:
Aktuelle NEJM-Übersicht zur Diagnose und Therapie, 2011
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(1; Nr. 5/2011) ist eine hervorragende Übersicht zur Diagnose und
Therapie der Gicht erschienen. Unsere Zusammenfassung beansprucht
keine Vollständigkeit. Im Folgenden informieren wir über die
wichtigen Empfehlungen der NEJM-Übersicht, und verzichten dabei auf
die Wiedergabe der
Grundlagen-Informationen über Gicht wie z.B. die klinische
Beschreibung der Gicht-Anfälle usw. Die dabei empfohlenen
Medikamente beziehen sich zwar auf den US-amerikanischen Markt,
viele sind jedoch auch in Deutschland bekannt. |
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Risikofaktoren |
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Medikamente: Einsatz von
Thiazid-Diuretika, Cyclosporine, low-dose-ASS.
Weitere Risikofaktoren: Insulin
Resistenz, metabolisches Syndrom, Adipositas, Niereninsuffienz,
Hypertonie, Herzinsuffienz und Organ-Transplantation.
Ernährung: Übermäßiges
Fleischkonsum, Alkohol (insbesondere Bier und Schnaps), Softdrinks
und Fructose.
Empfehlenswerte Ernährungsmittel:
Kaffee, Milchprodukte und Vitamin-C.
Akute Auslöser (Trigger):
Diuretika-Gebrauch, Alkohol-Konsum, Hospitalisation,
Operation. Des Weiteren können die Harnsäure-senkende Medikamente,
welche das Gicht-Langzeitrisiko senken, zu Beginn der Therapie
Gicht-Rückfallrisiko erhöhen, da sie vermutlich die Harnsäure-Depots
im Körper mobilisieren. |
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Diagnose |
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Hyperurikämie (hohe Harnsäure-Serumwerte)
muss während einer Gichtanfall nicht unbedingt vorhanden sein.
Diagnostisches Goldstandard sei
die Untersuchung der Synovial-Flüssigkeit und die Aspiration der
Harnsäurekristalle (Tophi), die sich als Knötchen
innerhalb und außerhalb der Gelenke bilden können. |
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THERAPIE |
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Akut |
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Akute Therapie: NSAID (z.B.
Ibuprofen) oder Colchicin seien First-Line-Therapie-Optionen.
Des Weiteren Glukokortikoide (z.B.
Prednisolon), und möglicherweise
Corticotropin. |
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Langzeit |
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Langzeit-Therapie zur
Harnsäure-Senkung: Indikation für eine Therapie zur
Harnsäure-Senkung wären mindestens 2x Gichtanfälle in einem Jahr
oder Nachweis von Tophi (klinisch oder radiologisch). Jedoch die
Schwere der Anfälle, Begleitkrankheiten (inklusive Nephrolithiasis)
und Patienten-Präferenzen würden bei der Entscheidungsfindung zur
harnsäure-senkenden Therapie eine wichtige Rolle spielen.
Harnsäure-senkende Therapie sollte nicht
während des akuten Gichtanfalles, sondern erst 2-4 Wochen später
nach der Akutphase begonnen werden.
Man sollte mit einer niedrigen Dosis
starten, und sie in den nächsten Wochen je nach Harnsäure-Spiegel
langsam erhöhen. Dabei sollten Harnsäure-Serumspiegel,
Nierenfunktion und mögliche Nebenwirkungen überwacht werden.
Das Therapieziel ist die Senkung von
Harnsäure-Serumspiegel < 6mg/dl. |
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Medikamentöse Therapie-Optionen zur
Harnsäure-Senkung |
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Xanthine-Oxidase-Hemmer:
Allopurinal (in Deutschland auch als Zyloric® bekannt), Febuxostat.
Urikosurische Arzneimittel:
Probenecid, Benzbromaron.
Uricase (Konvertierung der wenig
löslichen Harnsäure in das leicht lösliche Allantoin):
Pegloticase. |
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Xanthine-Oxidase-Hemmer wie Allopurinal
seien die Erstlinientherapie zur Harnsäuresenkung. Bei
Komplikationen oder Kontraindikationen gegen Xanthin-Oxidase-Hemmer
seien bei geeigneten Patienten Urikosurische Arzneimittel oder auch
Uricase weitere Therapie-Alternativen. |
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Allopurinol-Dosierung:
Xanthine-Oxidase-Hemmer Allopurinol (Zyloric®) sei das meist
verschriebene Medikament zur Harnsäuresenkung. Die meisten Patienten
würden täglich 300mg erhalten. Häufig sei diese Dosis nicht
ausreichend, sodass bei nierengesunden Menschen Allopurinol-Dosis
bis zur 800mg/d erhöht werden könne: z.B. Erhöhung in
100mg-Schritten alle 2-4 Wochen, bis das Harnsäure-Zielwert unter
6mg/dl erreicht sei.
Febuxostat als
Allopurinol-Alternative: Xanthine-Oxidase-Hemmer, seit 2009 in
den USA zur Harnsäuresenkung bei Gicht-Patienten zugelassen. |
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Gichtanfall-Prophylaxe zu Beginn der
harnsäure-senkenden Therapie:
Wie bereits erwähnt kann die
Harnsäure-senkende Medikamente, welche das Gicht-Langzeitrisiko
senken, können zu Beginn der Therapie Gicht-Rückfallrisiko erhöhen,
da sie vermutlich die Harnsäure-Depots im Körper mobilisieren. Daher
raten die Autoren eine Anfallprävention mit Colchicin zu Beginn der
harnsäure-senkenden Therapie, in Erwägung zu ziehen: Z.B. bei
Patienten mit normaler Nierenfunktion, bei denen eine
Allopurinol-Therapie gestartet wird, könnte eine orale
Colchicin-Therapie (0,6mg zweimaltäglich für etwa 5 Monate) die
Wahrscheinlichkeit der weiteren Gichtanfälle signifikant reduzieren. |
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Weitere Therapie-Maßnahmen |
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Lifestyle-Veränderungen:
Gewichtsabnahme bei Übergewicht, ausreichende Flüssigkeitszufuhr,
Ernährungsumstellung auf purinarme Diät (kein übermäßiges
Fleischkonsum), Vermeiden von Alkohol, Vermeiden von Softdrinks
(gesüßte Getränke)
Empfehlenswert: Möglicherweise
sei die Einnahme von 500mg Vitamin-C bei nierengesunden Patienten
empfehlenswert. Des Weiteren seien Verzehr von Milchprodukten zu
empfehlen. |
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Sonstiges: Losartan (Lorzaar®)
und Fenofibrate sollen uricosurische (Erhöhung der
Harnsäure-Ausscheidung über die Nieren) haben. Dementsprechend
könnten die Ärzte bei Gicht-Patienten zur Hypertonie-Therapie
Losartan und bei Hypertriglyzeridämie Fenofibrate in Erwägung
ziehen, obwohl es noch unbekannt sei, ob deren Einsatz die
Gichtanfall-Häufigkeit überhaupt reduzieren. |
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Anmerkungen |
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Die Datenlage über die Wirksamkeit und
Sicherheit der Kombinationstherapien zur Gicht-Therapie sei sehr
limitiert. |
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Für die
Auflistung der Nebenwirkungen,
Kontraindikationen und Gegenanzeigen der hier
besprochenen Medikamente siehe
Beipackzettel und
Fachinformation der Hersteller. |
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T. Neogi: Gout. N Engl J Med 2011; 364:443-452
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Gicht: Hyperurikämie
und Harnsäuresteine
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Schlüsselwörter:
Gicht, Harnsäurekristalle, Hyperurikämie,
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