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Krebs-Screening: Interpretieren die Ärzte die Statistik-Daten richtig? 2012

Aktuelle Studie (1): Im Gegensatz zur Mortalitäts-Rate beweisen verbesserte Überlebensraten durch Krebs-Screening nicht, dass Krebs-Früherkennungs-Maßnahmen das Leben tatsächlich retten, oder verlängern. Oft jedoch werden die verbesserte Überlebens-Raten durch Krebs-Screening verwendet, um für Screening-Maßnahmen zu werben.

(Medknowledge-Beispiel: Wir nehmen an, es sind zwei Zwillinge A und B. Zwilling-A unterzieht sich 2000 einer Dickdarmkrebs-Früherkennung per Koloskopie. Zwilling-B lehnt diese ab. Bei Zwilling-A wird bei der Screening-Koloskopie ein Dickdarmkrebs festgestellt. Er wird therapiert (OP, Chemotherapie), und lebt bis 2005, wo er an Dickdarmkrebs-Rezidiv stirbt. Beim Zwilling-B wird 2002 aufgrund des Symptomes Blut auf Stuhlgang ebenfalls eine Koloskopie durchgeführt, und ebenso einen Dickdarmkrebs festgestellt. Er wird ähnlich wie sein Zwillingsbruder-A therapiert, und stirbt auch wie der Zwilling-A 2005.

Ärzte vom Zwilling-A würden behaupten, seine Überlebenszeit betrug aufgrund des Dickdarm-Screenings 5 Jahre, der Bruder Zwilling-B hingegen  habe eine Überlebenszeit von nur 3 Jahren gehabt, weil er an Dickdarm-Früherkennungsmaßnahmen nicht teilgenommen hat. Die Ärzte vom Zwilling-B sehen das natürlich anders: Man müsse nicht die Überlebenszeit ansehen, der Zwilling-A hat ja insgesamt nicht länger als seinen Bruder Zwilling-B gelebt. Beide starben 2005. Beide haben die gleiche Mortalität gehabt, keiner hat unabhängig von dem Zeitpunkt der Diagnose länger gelebt. UND die Ärzte vom Zwilling-B haben Recht, es kommt auf die Mortalität –also Sterblichkeit- an, und nicht auf die Überlebenszeit.)

Die aktuelle Studie (1) überprüfte, ob die Hausärzte die Statistiken, die Evidenz-Daten über Screening, Überleben und Mortalität liefern, richtig interpretieren. Es wurde von Max-Planck-Institut in Berlin eine Umfrage an 412 Hausärzte versendet, die zwei hypothetische Szenarien für Screening-Tests für behandelbare Krebs-Krankheiten beinhaltete.

Etwa die Hälfte der Ärzte (297) hatte auf die Daten in den vorgestellten Szenarien fälschlicherweise geantwortet, dass Screening-Maßnahmen bei Krebs-Patienten im Vergleich zu nicht-gescreenten Krebs-Patienten das Leben verlängert hätten. Zweidrittel (76%) haben ebenfalls falsch beantwortet, wenn eine Studie zeige, dass Patienten mit Screening-diagnostizierten Krebskrankheiten ein besseres 5-Jahres-Überleben haben, als Patienten, bei denen Krebs aufgrund der Symptomatik diagnostiziert wurde. Das heißt, es wurde dann aufgrund der Daten über Überleben fälschlich angenommen, Krebs-Screening hätte das Leben tatsächlich verlängert.

Auf die Frage, ob niedrige Mortalitäts-Raten bei gescreenten Personen im Vergleich zu nicht-gescreenten Personen in einer randomisierten Studie beweist, dass Screening Leben rettet, beantworteten 81% der  Teilnehmer richtigerweise mit JA.  

Fazit: Die meisten Hausärzte interpretieren verbessertes Überleben und Frühdiagnose durch Krebs-Screening fälschlicherweise als Evidenz dafür, dass Früherkennungs-Maßnahmen Leben tatsächlich retten, bzw. verlängern. Nur wenige der Teilnehmer waren sich bewusst, dass nur reduzierte Mortalität in einer randomisierten Studie den Nutzen einer Früherkennungs-Maßnahme dann auch tatsächlich zeigt.

Medknowledge-Anmerkung: Auch die Begriffe relatives Risiko und absolutes Risiko sollten genau auseinander gehalten werden. Im Folgenden geben wir ein Beispiel, die Zahlen sind fiktiv gewählt, um lediglich den Unterschied zwischen beiden Risiko-Nennwerten zu verdeutlichen.

Wenn man zum Beispiel in einer Mammographie-Screening-Studie die Todesfälle bei Brustkrebs im Vergleich zur Nicht-Screening-Gruppe in einem bestimmten Zeitraum vom 2% auf 1% reduziert, kommen ganz unterschiedliche Zahlen bei der Risikobewertung: Das Relative Risiko ist in der Screening-Gruppe im Vergleich zur Nicht-Screening-Gruppe um 50% reduziert. Währenddessen beträgt die Reduktion des absoluten Risikos in der Screening-Gruppe um 1%, das sich viel nüchterner anhört, als die 50% Reduktion im Relativen Risiko.

Die Kennzahl "Absolutes Risiko" ist aber viel Aussagekräftiger, als "Relatives Risiko". Die Kennzahl relatives Risiko wird beispielsweise gerne bei neuen Krebs-Medikamenten genommen, um die Wirkung der neuen Arzneimittel positiv darzustellen.

  1. Wegwarth O et al. Do physicians understand cancer screening statistics? A national survey of primary care physicians in the United States. Ann Intern Med 2012 Mar 6; 156:340

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Stand: 25. Mai 2013