Vor einer Routine-Anwendung der Früh-Demenz-Screening sollten die Ärzte sich eher auf allgemeine gesundheitliche Empfehlungen für ihre ältere Patienten konzentrieren. Immer mehr Daten zeigen, dass eine gesunde Lebensführung, gesunde Ernährung, gesunder Schlaf, Sport und rechtzeitige Therapie von von kardiovaskulären Risikofaktoren (wie Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Adipositas, Rauchen) für das Verlangsamen der Demenzentwicklung wichtiger sind, als lange angenommen (2).

In einer kürzlich im Biomedical Journal (BMJ) erschienenden Analyse kritisieren die Autoren die Einführung flächendeckender Demenz Frühdiagnostik. Zum Einen sei die gegenwärtige Datenlage nicht eindeutig hinsichtlich der Behandlungskonsequenzen für eine frühe Demenz, zum anderen überwiegten die Nachteile wie die Aufwendigkeit dieser Untersuchungen für das Gesundheitssystem und die Gefahr einer Überdiagnostizierung.

Demenzerkrankungen sind altersabhängig und werden daher als ein zunehmendes immenses Kostenproblem in alternden Gesellschaften angesehen.

Mit der Einführung neuer diagnostischer Kriterien lässt sich basierend auf kognitiven Tests die Diagnose eines Mild Cognitive Impairment bzw. einer Frühdemenz stellen. Die Einführung dieser Tests rührt unter anderem aus internationalen Bemühungen, das Problem der Demenzerkrankungen anzugehen und in möglichst frühen Stadien Therapien einzuleiten. Für die Annahme, dass Personen mit geringfügigen Symptomen eine schwerwiegende Demenzform entwickeln werden, besteht jedoch derzeit keine eindeutige medizinische Evidenz. Die Prävalenz von Demenz bei über 80 jährigen beträgt derzeit 10-30%, durch die Einführung neuer diagnostischer Kriterien würden von dieser über 65% als Alzheimer Demenz diagnostiziert werden. Zudem würden schätzungsweise 23% nicht demenzieller älterer Menschen fälschlicherweise als dement diagnostiziert werden.

Entsprechende Biomarker und funktionelle Bildgebung würde daher zur Überdiagnose von Demenz bei Personen führen, welche eine spontane Verbesserung kognitiver Funktionen aufweisen. Letztlich gehen die Autoren daher von unnötigen Behandlung mit entsprechend auftretenden Nebenwirkungen aus, insbesondere hinsichtlich des psychologischer und sozialen Konsequenzen einer fälschlichen Demenzdiagnose. Gleichzeitig besteht hierdurch eine Gefahr der Überlastung des Systems, wodurch schwerwiegend Erkrankten weniger Unterstützung und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Autoren kritisieren, dass gegenwärtige politische Forderungen nach einer Einführung von Screening Methoden nicht auf Erkenntnisse von systematischen klinischen Studien beruhen, sondern vielmehr aus Einzelbeobachtungen, Anekdoten, und zudem auch finanzielle Einzelinteressen eine Rolle spielen können.

Fazit:  Das gegenwärtige Demenzscreening baut auf unzureichende, getestete und unkontrollierten Experimenten auf. Die entstehenden Vor- und Nachteile für das Individuum, betroffene Familien sowie das Versorgungssystem und Behandelnde gilt es zunächst zu evaluieren.

1-Le Couteur DG et al. Political drive to screen for pre-dementia: Not evidence based and ignores the harms of diagnosis. BMJ 2013 Sep 9; 347:f5125

2-Antihypertonika könnten Alzheimer-Demenz vorbeugen, 17.10.2013 

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