Frei#   Obwohl Anorexia Nervosa mit einer erhöhten Mortalität assoziiert ist, sind die Risikofaktoren für Mortalität bei physischen Ernährungsstörungen noch sehr begrenzt. Eine aktuelle Studie (1) in der Fachzeitschrift American Journal of Psychiatry ging dieser Fragestellung nach.

Ab 1987 wurden 246 Patienten mit Anorexia Nervosa (AN) oder Bulimie Nervosa (BN) 9.5 Jahre lange alle 6 bis 12 Monate interviewt. Die Gesamtmortalität der Teilnehmer wurde etwa 20 Jahre lang beobachtet.

In der Beobachtungszeit wurden 16 Todesfälle (6.5%) registriert (AN: 14; BN: 2). Die standardisierte altersangespasste Mortalitäts-Ratio war bei Anorexia Nervosa (4.37) erhöht, für lebenslange Bulimie Nervosa ohne zusätzliche bekannte Anorexia Nervosa jedoch nicht signifikant (2.33). Die altersangepasste Mortalität stieg mit der Verweildauer der Anorexia Nervosa (>15-30 Jahre). Mulitvariable Analyse zeigte folgende Risikofaktoren für Mortalität bei Patienten mit Anorexia nervosa: Alkoholmissbrauch, niedriger Body-Mass-Index und schlechte soziale Anpassung.

Fazit: Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit der frühen Identifikation und der Intervention bei Hochrisiko-Patienten mit Anorexia Nervosa. Als signifikante Risikofaktoren für Mortalität wurden Drogenmissbrauch (vorwiegend Alkohol), niedrige BMI und schlechte psychosoziale Integration in der Gesellschaft eruiert.

Medknowledge-Anmerkung: Auch die Elektrolyt-Störungen (vor allem Hypokaliämie mit QT-Verlängerung und Herzrhythmusstörungen), die bei Anorexia-Nervosa-Patienten oft diagnostiziert werden, könnten ebenfalls zu der gesteigerten Mortalität beitragen.

1-Franko DL et al. A longitudinal investigation of mortality in anorexia nervosa and bulimia nervosa. Am J Psychiatry 2013 Jun 17

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