Frei#  In der renommierten Fachzeitschrift NEJM erschien am 26.09.2013 eine Übersicht zur Volumen-Ersatz im Notfall (1). Wir fassen die wichtigsten Empfehlungen zusammen.

In dem Artikel wurden drei verschiedene Typen und Kompositionen von Infusions-Lösungen unterschieden

-Human-Plasma: 4% Albumin

-Kolloide: z.B. 6% HES (Hydroxyethylstärke)

-Kristalloide: z.B. Normale Saline mit 0,9% NaCL-Lösung; Ringer-Laktat-Lösungen (in Deutschland z.B. Sterofundin), konzentrierte Kochsalzlösungen

Empfehlungen für Volumen-Substitution bei Akutkranken Patienten

-Infusionslösungen sollten mit der gleichen Vorsicht wie bei intravenösen Medikamente gehandhabt werden: Auf Indikation, Dosis, Kontraindikationen, Nebenwirkungen und Kosten achten.

-Volumen-Substitution ist Teil eines komplexen physiologischen Prozesses

--Ermitteln der Art der Flüssigkeit, die der Körper verloren hat, und Ersetzen dieses Flüssigkeitsverlustes in ähnlichen Mengen.

--Bei der Auswahl der Infusionslösung sollten Serum-NaCl-Gehalt, Osmolarität und Säure-Basen-Status berücksichtigt werden.

--Frühen Einsatz der Katecholamine als Begleittherapie bei der Schock-Therapie in Erwägung ziehen.

Bedarf an Volumen-Substitution kann sich bei schwerkranken Patienten im Verlauf der Therapie ändern

-Kumulative Dosen der Volumentherapie zur Rettung und Erhaltungstherapie kann zum interstitiellen Ödem führen

-Pathologische Ödembildung ist mit ungünstiger Prognose assoziiert.

-Oligurie (Urinmenge <500 Milliliter in 24 Stunden) ist eine normale Reaktion auf Hypovolämie, und sollte nicht als alleinigen Auslöser oder Endziel für die Volumen-Substitution angesehen werden, das gilt insbesondere für die Zeit nach den akuten Rettungs-Maßnahmen (Mednowledge-Anmerkung: Also nicht nur die Nieren-Ausscheidung auch weitere Parameter wie klinische Exsikkose-Zeichen, Herzfrequenz/Blutdruck, Zeichen einer Überwässerung und Lungenstauung sind für die Entscheidung über den weiteren Volumenersatz wichtig.)

- Volumen-Überflutung für die Zeit nach den akuten Rettungs-Massnahmen (>24 St.) ist umstritten (Mednowledge-Anmerkung: Der Motto „viel hilft viel" ist nicht immer richtig).

-Der Einsatz der Volumen-Substitution mit hypotonen Infusionslösungen ist umstritten, wenn die Dehydration korrigiert ist (Mednowledge-Anmerkung: Auch der Motto „ wir lassen mal Sterofundin weiter laufen" ist nicht immer richtig)

Spezifische Fall-Konstellationen

-Blutungen: Blutungsstillung, ggf. Bluttransfusionen und Ersatz von weiteren Blutkomponenten (Mednowledge-Anmerkung: Mit weiteren Blutkomponenten ist vermutlich z.B. Thrombozyten- oder Gerinnungs-Konzentraten gemeint).

-Hypovolämie und Alkalose: NaCl 0.9%-Infusionslösung in Erwägung ziehen

-Schwere Sepsis: Albumin-Gabe in Erwägung ziehen.

-Hirn-Trauma-Verletzungen: NaCl 0.9%- oder andere isotone Infusionslösungen

-Albumin ist bei Hirn-Trauma-Verletzungen NICHT indiziert.

-HES ist bei Patienten mit Sepsis oder mit Risiko für akutes Nierenversagen NICHT indiziert.

-Die Sicherheit von halbsynthetischen Kolloidlösungen ist noch unklar, daher werden diese Lösungen nicht empfohlen.

-Die Sicherheit von konzentrierten Kochsalzlösungen ist ebenfalls unklar.

-Verbrennungen: Die richtige Typ- und Dosis der Volumen-Substitution bei Patienten mit Verbrennungen sind bisher nicht bestimmt. 

  1. Myburgh and Mythen: Critical Care Medicine: Resuscitation Fluids. N Engl J Med 2013; 369:1243-1251 
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