Frei#  Die Komorbidität von Alkoholabhängigkeit mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (engl. posttraumatic stress disorder (PTSD)) wurde als therapieresistent beschrieben. Zusätzlich wurden Bedenken geäußert, dass eine prolongierte Expositionstherapie der PTSD den Alkoholgebrauch exazerbieren könnte.

In einer aktuellen Studie (1) sollte die Effizienz einer evidenzbasierten Therapie der Alkoholabhängigkeit (Opioidantagonist Naltrexon) plus einer evidenzbasierten Behandlung der PTSD (prolongierte Expositionstherapie), ihre Kombination und die unterstützende Beratung verglichen werden.

Es wurde eine einfach verblindete, randomisierte klinische Studie mit 165 Teilnehmern mit PTSD und Alkoholabhängigkeit an der Universität von Pennsylvania und der Philadelphia Veterans Administration durchgeführt. Die Teilnehmereinschreibung begann am 8. Februar 2001 und endete am 25. Juni 2009. Die Datenerfassung wurde am 12. August 2010 abgeschlossen.

Die Teilnehmer wurden zufällig zugeteilt zu (1) einer prolongierten Expositionstherapie plus Naltrexon (100 mg/d), (2) zu einer prolongierten Expositionstherapie plus Placebopille, (3) zu einer unterstützenden Beratung plus Naltrexon (100 mg/d) oder (4) zu einer unterstützenden Beratung plus Pillenplacebo. Die prolongierte Expositionstherapie bestand aus 90-minütigen Sitzungen über 12 Wochen, gefolgt von sechs zweiwöchentlichen Sitzungen.

Alle Teilnehmer erhielten eine unterstützende Beratung.

Es wurden das Timeline Follow-Back Interview und das PTSD Symptomseverity Interview benutzt, um respektive die Prozentzahl an Alkohol-Trinktagen und die PTSD Schwere zu beurteilen. Die Penn Alcohol Craving Skala wurde benutzt, um das Craving nach Alkohol zu beurteilen. Unabgängige Evaluationen fanden vor der Behandlung statt (Woche 0), nach der Behandlung (Woche 24) und nach sechs Monaten nach der Behandlungsbeendigung (Woche 52) statt.

Die Teilnehmer in allen vier Behandlungsgruppen hatten eine starke Reduktion des Prozentsatzes von Trinktagen (mittlere Veränderung -63,9% [95% Konfidenzintervall (KI) -73,6% bis 54,2%] für die prolongierte Expositionstherapie plus Naltrexon; -63,9% [95% KI -73,9% bis -53,8%] für die prolongierte Expositionstherapie plus Placebo; -69,9% [95% KI -78,7% bis -61,2%] für die unterstützende Beratung plus Naltrexon und -61,0% [95% KI -68,8% bis – 53,0%] für die unterstützende Beratung plus Placebo). Dennoch hatten die, die Naltrexon erhielten einen geringen Prozentsatz an Trinktagen als die, die einen Placebo erhielten (mittlere Differenz 7,93%; p=0,008). Es fand auch eine Reduktion der PTSD Symptome in allen vier Gruppen statt, aber der Haupteffekt einer verlängerten Expositionstherapie war statistisch nicht signifikant. Sechs Monate nach Behandlungsende hatten die Teilnehmer in allen vier Gruppen einen Anstieg des Prozentsatzes von Trinktagen. Dennoch hatten die in der prolongierten Expositionstherapie plus Naltrexon die geringsten Anstiege.

FAZIT: In dieser Studie mit Patienten mit Alkoholabhängigkeit und posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) ergab die Behandlung mit Naltrexon eine Reduktion des Prozentsatzes von Trinktagen. Die prolongierte Expositionstherapie war nicht mit einer Exazerbation des Alkoholmissbrauchs assoziiert.

1-Foa EB et al. Concurrent naltrexone and prolonged exposure therapy for patients with comorbid alcohol dependence and PTSD: A randomized clinical trial. JAMA 2013 Aug 7; 310:488

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