Welche die effektivste Vorgehensweise für eine frühzeitige Ernährung bei schwerkranken Patienten ist, ist derzeit noch unklar. In einer aktuellen Studie (1) in "NEJM" haben Mediziner die parenterale Ernährung mit der enteralen Ernährung verglichen. In der randomisierten Studie wurden Erwachsene, die aufgrund einer akuten Krankheit auf 33 englischen Intensivstationen behandelt wurden, eingeschlossen.

Die Patienten wurden randomisiert in 2 Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhielt eine parenterale Ernährung, die andere eine enterale Ernährung. Die Ernährung wurde innerhalb von 36 Stunden nach Krankenhausaufnahme und für 5 Tage durchgeführt, anschließend wurde die Ernährung der beiden Gruppen, je nach Möglichkeit, auf die orale Nahrungsaufnahme umgestellt. Das wichtigste Outcomeparameter war die Gesamtmortalität nach 30 Tagen.

2400 Patienten wurden untersucht. 2388 (99.5%) wurden in die Analyse eingeschlossen. 1191 in die parenterale Gruppe, 1197 in die enterale Gruppe.

Nach 30 Tagen waren 393 von 1188 Patienten (33.1%) der parenteralen Gruppe und 409 von 1195 Patienten (34.2%) der enteralen Gruppe verstorben. Hypoglykämie-Episoden waren in der parenteralen Gruppe im Vergleich zur enteralen Gruppe signifikant niedriger (44 vs. 74 Patienten). Zudem zeigten Patienten der parenteralen Gruppe weniger Erbrechen (100 vs. 194 Patienten).

Bezüglich der behandlungsbedürftigenInfektionskomplikationen, sowie der Mortalität nach 90 Tagen (442 von 1184 Patienten vs. 464 von 1188 Patienten), gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen.

Die aufgenommenen Kalorien waren ebenfalls ähnlich in beiden Gruppen. Jedoch wurde bei den meisten Patienten die Zielmengenaufnahme an Kalorien nicht erreicht.

Fazit: Zusammenfassend kann man sagen, dass zwischen parenterale und enteraler Ernährung keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Mortalität nach 30 Tagen gefunden wurde.

Anmerkung: Parenterale und enterale Ernährung wurde in der Studie, wenn möglich, nach 5 Tagen auf orale Nahrungsaufnahme umgestellt. Es ist anzunehmen, dass intravenöse Ernährung über eine ZVK und enterale über eine Magensonde (vermutlich waren viele Patienten zu Beginn intubiert) sichergestellt wurde. Beide Ernährungs-Routen sind anscheinend vergleichbar effektiv uns sicher. Da parenterale Ernährung die Anlage zentralvenöser Katheter erfordert, aufwendiger und teurer ist, sollte der enteralen Ernährung den Vorzug gegeben werden, falls keine gastroenterelogische Kontra-Indikationen vorliegen.

1-Harvey SE et al. Trial of the route of early nutritional support in critically ill adults. NEJM 2014 Oct 1

 

 

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