Propofol ist ein intravenöses Narkotikum, welches aufgrund seiner kurzdauernder Wirkung als Anästhetikum gut steuerbar gilt. Darunter kann es jedoch zu respiratorischer Insuffienz kommen. Ketamin ist ein intravenöses Narkosemittel zur Sedierung und Schmerzreduktion in der Anästhesie. Ketamin hat zwar eine lange Plasmahalbwertszeit, führt aber im Gegensatz zu Propofol nicht zu einer respiratorischen Insuffienz. Anders gesagt haben beide Narkotika verschiedene Vorteile und Nachteile. Wir hatten 2014 zwei Studien (1, 2) in „Annals of Emergency Medicine" vorgestellt, welche Propofol und Ketamin wowohl als Monotherapie als auch verschiedenen Kombinationen in Hinblick auf respiratorische Komplikationen untersuchte. Inzwischen ist eine weitere aktuelle Studie (3) ebenfalls in 2016 zum gleichen Thema erschienen, welche wir am Ende nach den ersten beiden Studien vorstellen.

 1 Studie in  „Annals of Emergency Medicine", 2014

Die Autoren untersuchten die drei Therapieprotokolle Propofol-Monotherapie, die Kombinationen propofol/ketamin in 1:1 und 4:1 bei 271 Patienten, die auf der Notaufnahme zur Durchführung von Interventionen sediert werden müssten. Die Patienten wurden für eine der Protokolle randomisiert.

Die Ergebnisse zeigten, dass signifikante Atemwegs- oder respiratorische Komplikationen zwischen allen drei Gruppen ähnlich war (29%, 19% und 32% respektive) waren. Es gab in keiner Gruppe schwere Nebenwirkungen. In der 1:1 propofol/ketamin-Gruppe kam es häufiger zu Agitationen beim Wachwerden.

Fazit: Die Autoren schlussfolgern, dass alle drei Therapien im Hinblick auf respiratorische Komplikationen ähnlich sicher sind.

Anmerkung: Bei Betrachtung der Ergebnisse, kommt es in der Propofol-Monotherapie und 4:1 propofol/ketamin-Gruppe häufiger zu respiratorischen Problemen als in der 1:1 propofol/ketamin-Gruppe, in der Propofol deutlich niedriger dosiert war. Gleichzeitig gab es unter 1:1 propofol/ketamin-Gruppe öfter Agitationen beim Wachwerden. Daher wäre es interessant gewesen eine vierte Gruppe mit 2:1 propofol/ketamin-Kombination in die Studie einzugliedern.

2 Studie, 2014

Eine weitere Studie ebenfalls in „Annals of Emergency Medicine" zeigte, dass Ketamin bei Patienten mit kognitiven Problemen die Preoxygenation (Sauerstoff-Aufsättigen per Atemmaske vor der Intubation) im Rahmen einer verzögerten Intubation während der Narkose-Einleitung erleichtert

3 Studie, 2016

Die Ergebnisse der aktuellen POKER-Studie (3) in „„Annals of Emergency Medicine“ ergaben, dass Propofol aber auch Ketofol gute Therapie-Optionen zur prozeduralen Sedierung in der Notaufnahme sind.

Die Rate der respiratorischen Komplikationen war unter Propofol und Ketofol vergleichbar. Obwohl es unter Propofol häufiger zur Hypotension kam, sei die klinische Relevanz dieses Symptoms fraglich. Patienten seien mit der Wirkung beider Medikamenten sehr zufrieden gewesen. 

1-Miner JR et al. Randomized, double-blinded, clinical trial of propofol, 1:1 propofol/ketamine, and 4:1 propofol/ketamine for deep procedural sedation in the emergency department. Ann Emerg Med 2014 Oct 15

2-Siehe auch: Weingart et al. Delayed sequence intubation: A prospective observational study. Ann Emerg Med, October 22, 2014 

3-Ferguson I et al. Propofol or ketofol for procedural sedation and analgesia in emergency medicine—the POKER study: A randomized double-blind clinical trial. Ann Emerg Med, Juli 2016

 

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