Frei#  Aktuelle Studie (1): Welche Faktoren erhöhen das Risiko für eine Wundinfektion? Wird das Infektionsrisiko durch den Wundverschluss bzw. den Zeitpunkt des Nähens beeinflusst?

In die Studie (1) wurden 2663 Patienten mit traumatischen Platzwunden (keine Bisswunden) aufgenommen. Die Behandlung erfolgte in der Notaufnahme in einem der drei teilnehmenden Krankenhäuser. Nach 30 Tagen wurde geschaut, ob sich die Wunde infiziert hatte oder die Notwendigkeit einer Narbenrevision bestand.

69 der 2663 Patienten (2.6%) entwickelten eine Infektion. Die infizierten Wunden führten zu schlechteren kosmetischen Ergebnissen, die eine Narbenkorrektur nötig machte (RR 2.6). Das relative Infektionsrisiko war bei Diabetikern um den Faktor 2,7 erhöht, bei Menschen mit Platzwunden an den Beinen um das 4,1-fache, mit Kontaminationen der Wunde um das 2,0-fache, bei Wunden länger als 5 cm um das 2,9-fache. Der Zeitpunkt des Wundverschlusses – innerhalb von 12 Stunden nach Verletzung oder später – beeinflusste die Infektionsrate nicht.

Schlussfolgerung: Diabetes, Wundkontaminationen, größere (>5cm Länge) Wunden und eine Lage an der unteren Extremität sind bei Platzwunden wichtige Risikofaktoren für eine Wundinfektion. Die Zeit von der Verletzung bis zum Wundverschluss ist nicht so wichtig, wie früher angenommen.

Anmerkung: Anscheinend können die meisten Platzwunden direkt chirurgisch genäht werden. Zu dieser Änderung der Ergebnisse haben möglicherweise Verbesserungen in der Hygiene und Wundspülung in den letzten Jahrzehnten beigetragen.

1-Quinn JV et al. Traumatic lacerations: What are the risks for infection and has the ‘golden period' of laceration care disappeared? Emerg Med J 2014 Feb; 31:96

 

 

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