Frei#  In der NOTA-Studie aus Italien untersuchte man die Sicherheit und Wirksamkeit einer antibiotischen Behandlung bei Verdacht auf unkomplizierte akute Appendizitis (ohne Peritonitis) und erhob Langzeit-Daten.

Bauchschmerzen im rechten unteren Quadranten sind eine häufige Ursachen für eine Klinikeinweisung über die Notaufnahme. Wie der natürliche Krankheitsverlauf der akuten Blinddarmentzündung bei konservativer Behandlung mit Antibiotika verläuft, ist bislang unklar.

Insgesamt wurden 159 Patienten mit Verdacht auf Appendizitis aus dem Jahr 2010 in die Studie eingeschlossen. Der Nachbeobachtungszeitraum ging über zwei Jahre. Diese Patienten hatten einen mittleren AIR-Score (Appendicitis Inflammatory Response) von 4,9 sowie einen durchschnittlichen Alvarado-Score von 5,2 und wurden konservativ mit Amoxicillin/Clavulansäure behandelt. Der Alvarado-Score, der sechs klinische sowie zwei Laborparameter berücksichtigt, ist das gebräuchlichste Scoringsystem bei der Appendizitis.

Die Versagensquote der konservativen Therapie lag in den ersten sieben Tagen bei 11,9 %. Diese Patienten wurden alle in der ersten Woche operiert. Nach 15 Tagen wurden keine weiteren Rückfälle festgestellt. Nach zwei Jahren betrug die Gesamt-Rückfallrate 13,8 % (22 von 159). 14 dieser 22 Patienten wurden erneut erfolgreich mit Amoxicillin/Clavulansäure behandelt. Schwerere unerwünschte Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Bauchschmerz-Symptomatik wurde anhand der numerischen Rating- und visuellen Analogskala bestimmt; im Mittel lagen die Werte der numerischen Ratingskala (0-10) nach fünf Tagen bei 3 und nach sieben Tagen bei 2. Die konservativ behandelten Patienten blieben durchschnittlich 0,4 Tage in der Klinik und waren 5,8 Tage lang krankgeschrieben. Die langfristige Wirksamkeit der konservativen Therapie belief sich auf 83 %, da 118 Patienten ohne Rückfall blieben und 14 Patienten mit Rückfall ein weiteres Mal konservativ behandelt werden konnten.

Von den einzelnen Parametern, die in den Alvarado- bzw. AIR-Score eingehen, erwies sich kein einziger als unabhängiger Vorhersagewert hinsichtlich des Versagens oder späteren Rückfalls bei konservativer Therapie. Die beiden Scores waren nach der multivariaten Analysemethode die einzigen unabhängigen Vorhersagewerte, was das Versagen der konservativen Behandlung angeht – jedoch korrelierte keiner von ihnen mit der Rückfallquote. Die Gesamtkosten der konservativen Therapie inklusive Antibiotika betrugen 316,20 Dollar pro Patient.

FAZIT: Antibiotika sind bei Verdacht auf akute unkomplizierte Appendizitis ohne Peritonitis-Zeichen gut wirksam und sicher in der Anwendung. Unnötige Appendektomien können dadurch vermieden, die Operationsrate, OP-Risiken und Gesamtkosten gesenkt werden. Nach konservativer Therapie und einem Follow-Up-Zeitraum von zwei Jahren kommt es bei Bauchschmerzen im unteren rechten Quadranten in weniger als 14 % zu einem Rückfall; ggf. kann dann erneut mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden.

Anmerkung: Wenn weitere Daten die Sicherheit der Antibiotika-Therapie bestätigen, werden wahrscheinlich immer mehr Patienten mit unkomplizierter Appendizitis konservativ behandelt, wenn die Bildgebung (Sonographie, CT-Abdomen) die Diagnose bestätigt. Chirurgen und Nicht-Chirurgen müssten dann bei dieser Fragestellung enger kooperieren.

1- Di Saverio S et al. The NOTA Study (Non Operative Treatment for Acute Appendicitis): Prospective study on the efficacy and safety of antibiotics (amoxicillin and clavulanic acid) for treating patients with right lower quadrant abdominal pain and long-term follow-up of conservatively treated suspected appendicitis. Ann Surg 2014 Mar 18 

2- Unkomplizierte Appendizitis: Antibiotika sind Operation nicht gleichwertig, 06.05.2011

 

 

 

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