Auswirkung der postoperativen Antibiose auf die Infektionsrate nach Cholezystektomie bei akut entzündlicher Cholelithiasis.

Die akute, durch Gallensteine verursachte Cholezystitis verläuft in 90 % der Fälle mild (Grad I) oder mittelschwer (Grad II). Entfernt man dann die Gallenblase, so werden prä- und intraoperativ routinemäßig Antibiotika gegeben; bezüglich einer postoperativen Antibiotikagabe gibt es allerdings bislang nur wenige Daten. Aus diesem Grund wurde die folgende Studie (1) veranlasst. Man wollte herausfinden, wie sich die postoperative Verabreichung von Amoxicillin/Clavulansäure auf die Infektionsrate nach einer Cholezystektomie auswirkt.

Die randomisierte klinische Studie umfasste insgesamt 414 Patienten mit akut entzündlichem Gallensteinleiden (Schweregrad I und II), die in 17 verschiedenen medizinischen Zentren behandelt worden waren. Sie alle hatten im Krankenhaus 2 g Amoxicillin/Clavulansäure erhalten, und zwar drei Mal täglich vor der Operation sowie einmal während der Operation. Nach dem Eingriff wurden die Studienteilnehmer randomisiert. Es handelt sich hierbei um eine noninferiore Open-Label-Studie (d.h. nicht verblindet), die im Zeitraum von Mai 2010 bis August 2012 stattgefunden hat.

Nach dem chirurgischen Eingriff bekamen die einen Patienten keine Antibiose, die anderen über weitere fünf Tage drei Mal täglich eine Gabe entsprechend dem präoperative Antibiotikaschema. Als wichtigstes Outcome wurde die Rate an postoperativen Infektionen – sowohl im OP-Gebiet als auch abseits davon – aufgezeichnet. Dies geschah spätestens bei der Vorstellung der Patienten vier Wochen nach der OP, ggf. aber auch schon früher.

Die postoperative Infektionsrate aller 414 Patienten lag in der nicht antibiotisch behandelten Gruppe bei 17 % (35 von 207), in der Antibiotika-Gruppe bei 15 % (31 von 207). Somit betrug die absolute Differenz 1,93 %. Dies ergab die imputierte Intention-to-treat-Analyse. Die per-Protokoll-Analyse berücksichtigte die Daten von 338 Patienten. Hierbei lagen die entsprechenden Infektionsraten bei jeweils 13 % (absolute Differenz 0,3 %). Die Noninferioritätsgrenze war bei 11 % angesetzt worden.

Der Verzicht auf eine postoperative Antibiotikagabe führte also nicht zu einem schlechteren Ergebnis nach OP. Die Kulturen der Gallenflüssigkeit, die man angelegt hatte, waren in 60,9 % der Fälle keimfrei. In der Clavien-Klassifikation (2) für postoperative Komplikationen schnitten beide Gruppen ebenfalls ähnlich ab: In der unbehandelten Gruppe hatten 195 Patienten (94,2 %) einen Score von 0 oder I und zwei Patienten (0,97 %) hatten einen Score von III bis V. In der Antibiotika-Gruppe waren es 182 Patienten (87,8 %) mit einem Score von 0 oder I und vier Patienten (1,93 %) mit einem Score von III bis V.

FAZIT: Bei Patienten mit einer milden oder mittelschweren, durch Steine verursachten Cholezystitis führte der Verzicht auf eine postoperative Gabe von Amoxicillin/Clavulansäure nicht zu einer höheren Infektionsrate nach der Cholezystektomie. Die untersuchten Patienten hatten alle eine prä- und intraoperative Antibiose erhalten.

1-Regimbeau JM et al. Effect of postoperative antibiotic administration on postoperative infection following cholecystectomy for acute calculous cholecystitis: A randomized clinical trial. JAMA. 2014;312(2):145-154. doi:10.1001/jama.2014.7586.

 

 

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