Eine Leberzirrhose bei Patienten mit Lebererkrankungen mit nicht-invasiven Mitteln zu diagnostizieren bzw. auszuschließen stellt nach wie vor eine klinische Herausforderung für den behandelnden Arzt dar.

Eine 2012 im Journal JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentliche Review-Studie untersuchte insgesamt 86 Einzelstudien auf der Suche nach einfachen klinischen Faktoren, mit welchen sich zuverlässig eine Leberzirrhose bei Erwachsenen Patienten mit Lebererkrankung diagnostizieren bzw. ausschließen lässt.

Es wurden nur Studien hohen Qualitätsmaßes ausgewählt, welche die Genauigkeit der klinischen Diagnose mittels histologischer Untersuchungen evaluiert hatten. Von zwei Autoren wurde unabhängig die Daten auf Sensitivität, Spezifität, und Likelihood-Quotienten (LQ) untersucht.

Insgesamt wurden Daten von 19 533 Patienten in der Meta-Analyse ausgewertet. In 4725 Fällen lag ein positiver Biopsie Befund vor (Prävalenzrate: 24%).

- Als verlässlichste Zeichen der körperlichen Untersuchung zur Bestimmung einer Zirrhose ergaben sich die Aszites (LQ: 7.2) und das Vorliegen von Spider-Naevi (LQ: 4.3).

- Bei den Labortechnischen Untersuchungen war vor Allem eine Thrombopenie (<160 103/?L) ein verlässliches Zeichen (LQ: 6.3).

- Die verlässlichste Leberzirrhose-Diagnose ließ sich mittels einer Kombination von einfachen Labortests (Blutplättchenzahl, GPT/GOT-Quotient, und Prothrombin Zeit) und klinischen Untersuchungen (Vorliegen von Aszites und/oder Spider-Naevi) mittels des „Bonacini cirrhosis discriminant score" treffen. Eine Punktzahl von mehr als 7 war mit einem LQ von 9.4 verbunden (Anmerkung: Genaue Angaben zur Punktermittlung.) 

- Zum Ausschluss einer Zirrhose erwies sich vor allem ein Lok-Index von unter 0.2 mit einem LQ von 0.09 als besonders geeignet. (Anmerkung: Der Lok-Index ist ein von Lok et al. 2005 entwickelte Formel, welche die Laborparameter Thrombozytenzahl, GPT/GOT-Quotient, und INR miteinander in Beziehung setzt. Weitere Informationen sind zu finden unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC321275 

- Eine Thrombozytenzahl von > 160 103/?L (LQ 0.29) und das Ausbleiben einer Hepatomegalie (LQ: 0.37) waren ebenfalls geeignete Indikatoren zum Ausschluss einer Zirrhose.

Die Analyse ergab, dass Laboreinzelbefunde oder eine Kombination dieser mit wesentlichen klinischen Zeichen (Aszites, Spider Naevi, Hepatomegalie) bei weitem informativer waren im Vergleich zum Gesamteindruck des Arztes über den Patientenzustand.

Fazit: Mittels weniger klinischer Zeichen und einfachen Labortests, welche die Pathophysiologie widerspiegeln, ließ sich eine Leberzirrhose zuverlässlich diagnostizieren. Um die Erkrankung auszuschließen erwies sich die Kombination von einfachen Labortests (mittels Lok-Index) als besonders geeignet.

1- Jacob A. Udell et al: Does This Patient With Liver Disease Have Cirrhosis? JAMA. 2012;307(8):832-842. doi:10.1001/jama.2012.186

 

 

FaceBook  Twitter  

Zusätzliche Informationen