Zertifizierte Brustzentren in den USA werden auf Grundlage der Durchführung von brusterhaltenden Operationen (BCS) bei einem Großteil der Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium bewertet. Frühere Untersuchungen in regionalen und begrenzten nationalen Kohorten deuten auf eine Verschiebung hin zur vermehrten Durchführung von Mastektomien bei Patientinnen, die eigentlich für eine BCS infrage kämen.

Studienziel: Ziel einer aktuellen Studie (1) war zu untersuchen, ob die Mastektomieraten bei BCS-geeigneten Patientinnen im Laufe der Zeit landesweit ansteigen, und ob sie mit einem gleichzeitigen Anstieg von Brustrekonstruktionen und beidseitigen Mastektomien bei nur einseitiger Erkrankung assoziiert sind.

Design, Rahmenbedingungen und Teilnehmer: Es wurde eine retrospektive Kohortenstudie zu den aktuellen Trends bei der Anwendung von Mastektomien bei Brustkrebs im Frühstadium durchgeführt, wobei multivariate logistische Regressionsmodelle zur Anpassung an entsprechende Kovariablen und Interaktionen verwendet wurden. Mittels nationalem Krebsregister wurden die Fälle von mehr als 1,2 Millionen erwachsene Frauen betrachtet, die zwischen dem 1. Januar 1998 und dem 31. Dezember 2011 in Zentren behandelt wurden, die von der American Cancer Society und der American College of Surgeons Commission on Cancer zertifiziert sind.

Exposition: Jahr der Brustkrebsdiagnose.

Hauptkriterien und Messgrößen: Wichtigste Messgröße war der Anteil an Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium, der sich einer Mastektomie unterzog.

Sekundäre Kriterien waren u.a. zeitgleiche Trends bei Brustrekonstruktionen und beidseitiger Mastektomie bei nur einseitiger Erkrankung.

Ergebnisse: Insgesamt unterzogen sich 35,5% der Studienkohorte einer Mastektomie. Die angepasste Rate von Mastektomien bei BCS-geeigneten Frauen stieg um 34% während der letzten 8 Jahre dieser Kohorte, mit einer Odds Ratio von 1,34 im Jahr 2011 im Vergleich zu 2003. Der Anstieg war am größten bei Frauen mit klinisch Lymphknoten-negativer Erkrankung (Odds Ratio 1,38) und mit Carcinoma in situ (Odds Ratio 2,05). Bei Frauen, die sich einer Mastektomie unterzogen, stiegen die Raten der Brustrekonstruktionen von 11,6% im Jahr 1998 auf 36,4% im Jahr 2011. Die Raten beidseitiger Mastektomien bei nur einseitiger Erkrankung stiegen von 1,9% im Jahr 1998 auf 11,2 % im Jahr 2011.

Fazit und Relevanz: Im vergangenen Jahrzehnt zeigten sich deutliche Trends hin zu einem höheren Anteil an Frauen, die für eine brusterhaltende Operation geeignet wären und sich dennoch einer Mastektomie, Brustrekonstruktion oder auch beidseitigen Mastektomie unterzogen hatten. Die größten Anstiege sind bei Frauen mit Lymphknoten-negativen Tumoren und mit Carcinoma in situ zu beobachten.

Die Mastektomieraten überschreiten derzeit die aktuellen Zertifizierungskriterien der American Cancer Society/American College of Surgeons Commission on Cancer noch nicht. Es sind weitere Untersuchungen nötig, um die Faktoren, die mit diesen Trends assoziiert sind, und ihre Auswirkungen auf die Leistungsbeurteilung der Krebszentren bei der American Cancer Society und American College of Surgeons Commission zu erfassen.

Anmerkung: Eine zweite Studie (1) aus Kanada zeigte, dass signifikante Besserungen der Brustkrebs-Therapie in den letzten zwei Jahrzehnten zu verzeichnen ist. Die größten Fortschritte beim Outcome wurden bei Patientinnen mit aggressiven Brustkrebs-Subtypen (HER2-positiv und ER-negativ/HER2-negativ) erzielt.

1-Kummerow et al. Nationwide trends in mastectomy for early-stage breast cancer. JAMA Surg 2014 Nov 19

2- Cossetti et al. Comparison of breast cancer recurrence and outcome patterns between patients treated from 1986 to 1992 and from 2004 to 2008. J Clin Oncol 2014, Nov 24.

 

 

 

 

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