Frei#  Cut-Of-Werte für "arbitrary units (AU)" als Messeinheit für Kalzifizierung bestimmt mit Hilfe der Multidetektor-Computertomographie könnten helfen, Patienten mit schwerer Aortenstenose zu identifizieren.

Bei manchen Patienten mit einer schweren Aortenklappenstenose korreliert der mittlere Gradient oft nicht mit der Fläche der Aortenklappe (diskordant), obwohl linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) im Normbereich ist. Eine aktuelle Studie (1) überprüfte die CT- und Echokardiographie-Befunde von 646 Patienten mit Aortenstenose und normaler LVEF, ob die wahre Schwere bei diskordanter Aortenstenose durch die Bestimmung der Grad der Aortenklappenkalzifizierung abgeschätzt werden kann.

Mithilfe einer Multidetektor Computertomographie (MDCT), kombiniert mit einer begleitend durchgeführten Doppler-Echokardiographie, wurde das Ausmaß der Aortenklappenkalzifizierung gemessen. Dabei zielte die Studie darauf ab, Folgendes zu definieren:

1) Das Verhältnis unabhängiger physiologischer/struktureller Determinanten der Fläche der Aortenklappe (AVA) zum mittleren Gradienten (MG);

2) Die Schwellenwerte der Aortenklappenkalzifizierung, die am ehesten mit einer schweren Aortenklappenstenose (AS) assoziiert sind und

3) ob bei Aortenklappenstenosen mit einem diskordanten mittleren Gradienten eine schwere Aortenklappenkalzifizierung normalerweise entdeckt wird.

Aortenstenosen mit diskordanten Markern des Schweregrades und Aortenklappenflächen in einem kritischen Bereich, jedoch mit niedrigen mittleren Gradienten, sind bislang ein ungelöstes Rätsel in Outcome-Studien.

In dieser Studie erhielten Patienten (n=646) mit einer Aortenstenose, aber mit einer normalen linksventrikulären Ejektionsfraktion eine Doppler-Echokardiograohie und eine Messung der Aortenklappenkalzifizierung (AVC) mittels einer Multidetektor Computertomographie (MDCT). Basierend auf der AVA-indexed-to-body surface area (AVAi) ( Aortenklappenfläche im Verhältnis zur Körperoberfläche) und den mittleren Gradienten wurden die Patienten eingeteilt in ein konkordantes Grading des Schweregrades mit einer moderaten Aortenstenose (AVAi >0.6 cm²/m², MG <40 mm Hg), mit einer schweren Aortenstenose (AVAi ?0.6 cm²/m², MG ? 40 mm Hg), ein diskonkordantes Grading des Schweregrades (DG) mit einem niedrigen mittleren Gradienten (AVAi ?0.6 cm(2)/m(2), MG <40 mm Hg), oder mit einem hohen mittleren Gradienten (AVAi >0.6 cm(2)/m(2), MG ?40 mm Hg).

Der mittlere Gradient (diskordant in 29%) wurde stark durch die Aortenklappenfläche und den Blutfluss determiniert, jedoch auch unabhängig und stark durch das Ausmaß der Aortenklappenkalzifizierung (p < 0.0001) und die systemische arterielle Compliance (p < 0.0001) beeinflusst. Das Ausmaß der Aortenklappenkalzifizierung (medianer Interquartiler Bereich) war ähnlich bei Patienten mit einem diskordanten Grading des Schweregrades (niedriger mittlerer Gradient: 1,619 arbitrary units [AU]; hoher mittlerer Gradient: 1,736 AU;), höher als ein konkordanten Grading des Schweregrads mit einer moderaten Aortenstenose (861 AU;) aber niedriger als ein konkordantes Grading (CG) mit einer schweren Aortenstenose (2,931 AU;). Die Schwellenwerte des Ausmaßes der Aortenklappenkalzifizierung, die eine schwere von einer moderaten Aortenstenose differenzierten, wurden bei der CG-Aortenstenose mit einem normalen Blutfluss definiert (stroke-volume-index >35 ml/m(2)). Das Ausmaß der Aortenklappenkalzifizierung (absolut oder als Index) identifizierte eine schwere Aortenstenose (Fläche unter der Kurve ?0.89, Sensitivität ?86%, Spezifität ?79%) bei Männern und Frauen sehr akkurat. Bei der Anwendung dieser Kriterien bei einem diskordanten Grading mit niedrigem mittleren Gradienten wurde bei mindestens der Hälfte der Patienten eine schwere Aortenklappenkalzifizierung identifiziert, unabhängig vom Blutfluss.

FAZIT: Bei Patienten mit einer Aortenklappenstenose korreliert der mittlere Gradient oft nicht mit der Fläche der Aortenklappe und wird durch mehrere Faktoren (valvulären (Aortenklappenverkalkung) und nicht-valvuläre (arterielle Compliance), unabhängig vom Blutfluss)bestimmt. Das Ausmaß der Aortenklappenkalzifizierung, bestimmt mithilfe der Multidetektor Computertomographie (MDCT), zeigte eine starke Assoziation mit dem Schweregrad der Aortenstenose und erlaubt die Diagnose einer schweren Aortenklappenkalzifizierung. Mindestens die Hälfte der Patienten mit einem diskordanten niedrigen Gradienten präsentierten sich mit einem schweren Ausmaß der Aortenklappenkalzifizierung, was eine schwere Aortenklappenkalzifizierung widerspiegelt. Diese Tatsache betont den klinischen Gewinn der Quantifizierung der Aortenklappenkalzifizierung mittels MDCT, um diese komplexen Patienten zu diagnostizieren und sie gut behandeln zu können.

1-Clavel M-A et al. The complex nature of discordant severe calcified aortic valve disease grading: New insights from combined Doppler echocardiographic and computed tomographic study. J Am Coll Cardiol 2013 Dec; 62:2329

 

 

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