Frei#  In dieser aktuellen Metaanalyse (1) wurde untersucht, ob ein Ausschluss einer tiefen Beinvenenthrombose mit Hilfe des Wells-Scores sicher erfolgen kann. Es soll untersucht werden, ob der Wells-Score auf verschiedene Subgruppen von Patienten gleichermaßen zutrifft.

Die Autoren von 13 Studien (n=10 002) stellten für die Metaanalyse ihre Datensets zur Verfügung. Diese individuellen Patientendaten wurden zu einem Datenset zusammengefügt.

Es wurden Studien eingeschlossen, wenn sie ambulante Patienten mit Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose untersucht und alle Werte des Wells-Scores dokumentiert hatten. Die eingeschlossenen Studien hatten einen angemessenen Referenzstandard.

Es wurden mehrstufige logistische Regressionsmodelle, die eine Interaktionsgröße für jede Subgruppe einschlossen, angewandt, um die Unterschiede in den vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) abzuschätzen. Die Wahrscheinlichkeiten ließen sich aus dem Wells-Score bestimmen, der Punkte für klinische Parameter vergibt, anhand derer eine Aussage getroffen werden kann, ob klinisch eine TVT vorliegt oder nicht. Zusätzlich wurde die Bestimmung der D-Dimere hinzugenommen. Es sollte untersucht werden, ob ein Wells-Score mit geringer Wahrscheinlichkeit für eine TVT kombiniert mit einem negativen Ergebnis im D-Dimer-Test besser eine TVT ausschließen kann, als der Wells-Score allein.

Insgesamt waren höhere Werte des Wells-Scores mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit assoziiert, eine tiefe Beinvenenthrombose zu haben. Die abgeschätzten Wahrscheinlichkeiten waren fast zweimal so hoch bei Patienten mit Krebs, bei Patienten mit Verdacht auf eine erneute Thrombose und (zu einem geringeren Anteil) bei Männern. Ein Wells-Score, der eine TVT unwahrscheinlich macht (? 1 Punkt) und der mit einem negativen Ergebnis von D-Dimer-Test kombiniert wurde, war mit einer sehr niedrigen Wahrscheinlichkeit einer tiefen Beinvenenthrombose assoziiert (1,2%). Diese Kombination war bei 29% der Patienten zu beobachten. Diese Ergebnisse waren in den Subgruppen konsistent. Die Subgruppen wurden anhand der Art des D-Dimer-Assays (quantitativ oder qualitativ), des Geschlechts und der Behandlungsart (stationär oder ambulant) definiert. Bei Krebspatienten wurde nur bei 9% die Kombination eines unwahrscheinlichen Wells-Scores und einem negativen D-Dimer-Ergebnis beobachtet, das war eine Wahrscheinlichkeit von 2,2 %, dass eine tiefe Beinvenenthrombose vorlag. Bei Patienten mit Verdacht auf eine erneute Thrombose ist nur der modifizierte Wells-Score sicher (einen Punkt für das vorherige Auftreten einer Thrombose addieren).

FAZIT: Eine Kombination aus einem Wert des Wells-Scores, der eine Thrombose unwahrscheinlich macht und einem negativen D-Dimer-Testergebnis (sowohl quantitativ als auch qualitativ) kann eine tiefe Beinvenenthrombose bei Patienten ausschließen. Diese Ergebnisse gelten sowohl für beide Geschlechter, als auch für ambulante oder stationäre Patienten. Bei Krebspatienten ist diese Methode jedoch weder sicher noch aussagekräftig. Bei Patienten, die einen Verdacht auf eine erneute Thrombose haben, sollte ein Extrapunkt zu dem Endwert addiert werden, um einen sicheren Ausschluss gewährleisten zu können.

1- Geersing GJ et al. Exclusion of deep vein thrombosis using the Wells rule in clinically important subgroups: Individual patient data meta-analysis. BMJ 2014 Mar 10; 348:g1340

2-Siehe Wells Score: Thrombose-Ausschluss ohne Ultraschall-Doppleruntersuchung - Wells Score

3-Wells-Score-Rechner online

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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