Frei#  Die Prävalenzen von Herzinsuffizienz und chronischen Nierenerkrankung steigen – das betrifft jede Erkrankung für sich allein, aber auch die Kombination. Während bestimmte Herzinsuffizienzpatienten einen Überlebensvorteil haben, wenn sie prophylaktisch ein Defibrillator (ICD) erhalten, ist unklar, ob dies auch auf Herzinsuffizienzpatienten mit schwerer Niereninsuffizienz zutrifft. Diese Frage wurde von einem Team um Sheldon M. Singh, Toronto, Kanada untersucht und kürzlich in „JAMA Internal Medicine" veröffentlicht.

Die Kohortenstudie schloss 108 Patientenpaare ein, die eine Herzinsuffizienz (EF <35%) sowie eine schwere, nicht dialysepflichtige Nierenerkrankung (eGFR <30ml) aufwiesen. Die Patienten mit ICD wurden mithilfe der Ontario-ICD-Datenbank ausgewählt, die Patienten ohne ICD kamen aus der EFFECT-Studie. Die Paare wurden nach einem Propensitäts-Score gematcht, der verschiedene Variablen berücksichtigte, die den Schweregrad und die Prognose der Erkrankungen charakterisieren. Dabei ergab sich ein Ungleichgewicht, durch das die Patienten der nicht-ICD-Gruppe möglicherweise benachteiligt waren.

Die Mortalitätsrate war für beide Gruppen vergleichbar hoch. 16,7 Todesfälle pro 100 Personenjahren traten in der ICD-Gruppe auf, verglichen mit 17,1 in der nicht-ICD-Gruppe (p=0,86). Damit ist das Mortalitäts-Risiko der ICD-Patienten um den Faktor 1,05 mal erhöht verglichen mit den Patienten ohne Defi (HR=1,05). Nach statistischer Adjustierung der Variablen, die zu dem Ungleichgewicht zwischen den Gruppen geführt haben, lag das Mortalitätsrisiko in der ICD-Gruppe um das 2,21-fache höher als in der Nicht-Defi-Gruppe (HR=2,21). Dies sei nicht überraschend, so die Autoren, da Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen aufweisen, wie zum Beispiel Infektionen des Defis, erhöhte Defibrillations-Schwellen und andere.

Fazit: Die Daten zeigen, dass Patienten mit Herzinsuffizienz und schwerer chronischer Nierenerkrankung keinen Überlebensvorteil haben, wenn sie prophylaktisch einen ICD erhalten.

Die größte Limitation der Studie ist, dass die Patienten nicht randomisiert worden waren. Daher sollte das Ergebnis in einer randomisierten, prospektiven Studie überprüft werden – auch weil die derzeitigen Leitlinien die prophylaktische ICD-Implantation auch bei schwer niereninsuffizienten Patienten nicht einschränken (2).

1- Singh et al: Prophylactic Defibrillators in Patients With Severe Chronic Kidney Disease. JAMA Intern Med. Published online April 28, 2014. doi:10.1001/jamainternmed.2014.1208

2- NVL Chronische Herzinsuffizienz Langfassung, 1. Auflage, Version 7, August 2013.

 

 

 

 

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