Frei#  Ein Diagnosealgorithmus auf Basis von klinischem Score, D-Dimer-Test und Ultraschalluntersuchung. Prospektive Management-Studie zur Sicherheit und Anwendbarkeit.

In der Diagnostik der tiefen Venenthrombose (TVT) an den unteren Extremitäten ist ein Algorithmus mit Kombination von klinischem Score, D-Dimer-Test und Ultraschalluntersuchung gut etabliert. Dieser ist in der Diagnostik der TVT der oberen Extremitäten nicht erprobt.

In der vorliegenden Studie sollten Sicherheit und Anwendbarkeit eines neuen Diagnose-Algorithmus bei Patienten mit Anzeichen einer TVT an den oberen Extremitäten bestimmt werden. Die Analyse wurde als diagnostische Management-Studie unter Beteiligung von 16 Krankenhäusern in Europa und USA durchgeführt. 406 stationäre und ambulante Patienten mit Anzeichen einer TVT der oberen Extremitäten wurden eingeschlossen.

Der Algorithmus bestand aus klinischem Score, D-Dimer-Test und Ultraschalluntersuchung. Die Patienten wurden anfangs in zwei Kategorien eingeteilt: Eine Gruppe, bei der eine TVT der oberen Extremitäten klinisch als wahrscheinlich galt und eine Gruppe, bei der sie als unwahrscheinlich galt. Die klinische Score bestand aus 1 Punkt für vorhandenen ZVK, 1 Punkt für unilaterales Ödem, 1 Punkt für lokalisierte Schmerzen, und -1 Punkt bei Vorhandesein von alternativen Diagnosen.

Bei Patienten der Kategorie „unwahrscheinlich" (< 1 Punkt), die zudem einen normalen D-Dimer-Test aufwiesen, wurde eine TVT der oberen Extremitäten ausgeschlossen. Bei allen anderen Patienten wurde z.T. mehrmals eine Kompressionssonographie durchgeführt. Als primärer Outcome wurde die 3-Monate-Inzidenz von symptomatischer TVT der oberen Extremitäten beziehungsweise Lungenembolie bei Patienten mit normalem diagnostischen Ablauf bestimmt.

Der Algorithmus war bei 390 von 406 Patienten (96%) vollständig durchführbar. Bei 87 Patienten (21%) wurde bei unwahrscheinlicher klinischer Score in Kombination mit einem normalen D-Dimer-Test eine TVT der oberen Extremitäten ausgeschlossen. Eine oberflächliche Venenthrombose wurde bei 54 (13%) der Patienten und eine TVT der oberen Extremitäten bei 103 (25%) Patienten festgestellt. Alle 249 Patienten mit normalem diagnostischen Ablauf, einschließlich der Patienten mit Protokollverletzung (n=16), wurden für 3 Monate weiter beobachtet. Ein Patient entwickelte während des Follow-up eine TVT der oberen Extremitäten, bei einer Ausfallrate von 0,4% (0,0%-2,2%).

Die Aussagekraft der Studie ist limitiert, weil die Sicherheit von Substrategien nicht gezeigt werden konnte und der D-Dimer-Test lokal durchgeführt wurde.

FAZIT: Mithilfe einer Kombination aus klinischem Score, D-Dimer-Test und Ultraschalluntersuchung kann sicher und effektiv eine tiefe Venenthrombose (TVT) an den oberen Extremitäten ausgeschlossen werden. Wenn weitere Studien dies bestätigen, könnte dieser Algorithmus als Standardanwendung zur Diagnosestellung bei Verdacht auf TVT an den oberen Extremitäten eingesetzt werden.

1-Kleinjan A et al. Safety and feasibility of a diagnostic algorithm combining clinical probability, d-dimer testing, and ultrasonography for suspected upper extremity deep venous thrombosis: A prospective management study. Ann Intern Med 2014 Apr 1; 160:451

2-Wells-Score - zur Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Venenthrombose (TVT).

 

 

 

 

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