Ziel einer aktuellen Studie (1) war es Merkmale kleinerer Hirninfarkte zu ermitteln, welche zum akuten Vestibularsyndrom (AVS) mit Vertigo führen.

In einer sowohl retro- als als auch prospektiven) Querschnittsstudie wurden Patienten mit AVS (akutem Schwindel, Benommenheit, Nystagmus, Übelkeit und Erbrechen, vermeiden von Kopfbewegung, unsicherem Gang) und mindestens einem Risikofaktor für einen Schlaganfall evaluiert, welche im Zeitraum von 1999 bis 2011 behandelt wurden.

Bei den Patienten wurde die „HINTS plus" Untersuchung durchgeführt (head impulse, nystagmus, test-of-skew plus hearing; also Kopfimpuls, Nystagmus, vertikaler okularer Versatz und Hörfunktion). Mittels MRT wurde die Diagnose bestätigt (97% der Fälle) und in Fällen mit initial nicht pathologischem Befund erneut kontrolliert, falls sich klinische Zeichen für eine zentrale Läsion fanden. Die Wissenschaftler begrenzten bei der Auswahl der Patienten die Läsionsgröße auf einen axialen Durchmesser von ?10 mm in der diffusionsgewichteten Aufnahme (DWI).

Bei den insgesamt 190 AVS-Fällen mit hohem Risiko (105 Schlaganfälle) wiesen 15 Patienten kleine Läsionen auf (mittleres Alter 64 Jahre, 41-85 Jahre).

Die am häufigsten betroffene Vestibularstruktur war der untere Kleinhirnstiel (73%); die am häufigsten betroffene Struktur insgesamt stellte die laterale Medulla dar (60%).

Fokal neurologische Zeichen wurden bei 27% der Teilnehmer diagnostiziert.

Die „Hints plus" Untersuchung identifizierte kleinere Läsionen mit größerer Sensitivität als eine frühe MRT-DWI-Bildgebung (100% vs 47%; p<0,001).

Falsch-negative initiale MR-Untersuchungen (im Zeitraum von 6-48 Stunden) traten häufiger bei kleinen als bei großen Läsionen auf (53% [n=8/15] vs. 7,8% [n=7/90], p<0,001).

Nicht-lakunäre Ätiologien waren zu 47% der Schlaganfälle verantwortlich, davon 6 Dissektionen bzw. Okklusionen der Vertebralarterie.

Fazit: Kleine Läsionen, die zentrale vestibuläre Bahnen betreffen können mit einem isolierten akuten Vestibularsyndrom (AVS) einhergehen. Die „HINTS plus hearing" Untersuchung (head impulse, nystagmus, test-of-skew plus hearing; also Kopfimpulstest, Nystagmusprüfung, vertikaler okularer Versatz und Hörfunktion) zeigt bei der Diagnostik dieser Patienten bessere Ergebnisse als eine zum frühen Zeitpunkt durchgeführte MRT mit Diffusionswichtung (DWI). Diese zeigt in der Hälfte der Fälle falsch-negative Ergebnisse und das bis zu 48 Stunden nach auftreten der Symptomatik. Nicht-lakunäre Prozesse sind zur Hälfte Ursache der Erkrankung, was ein größeres Risiko für die betroffenen Patienten darstellen könnte.

Medknowledge-Anmerkung: Die Ärzte sollten sich bei Patienten mit akutem Vestibularsyndrom (AVS) nicht nur auf die MRT verlassen. Eine ausführliche Untersuchung mit HINTS-Test kann zur Diagnostik eines doch vorhandenen kleinen Schlaganfalls behilflich sein.

1- Saber et al. Small strokes causing severe vertigo: Frequency of false-negative MRIs and nonlacunar mechanisms. Neurology 2014 Jul 8;83(2):169-73.

 

 

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