Frei#  Hemikraniektomie ist eine einseitige operative Entfernung des Schädeldaches bei ausgedehntem malignem Hirninfarkt mit Hirnödem und erhöhtem Hirndruck, um den Druck im Schädel zu entlasten. Der operativ entfernte Schädeldach-Knochen wird später wieder reimplantiert.

Frühe dekompressive Hemikraniektomie reduziert bei Patienten < 60 Jahren die Mortalität, ohne den neurologischen Funktionsstatus zu verschlechtern (2). Eine aktuelle Studie (1) in der Fachzeitschrift NEJM überprüfte, ob diese Vorteile auch für älteren Patienten >60 gelten.

In der Studie wurden 112 Patienten (Alter >61, das mittlere Alter 70 Jahre; Altersreichweite 61 bis 82 J) mit einem malignen Infarkt der Arteria cerebri media auf der Intensivstation entweder für eine konservative Therapie (Kontrollgruppe) oder für Hemikraniektomie (Interventionsgruppe) randomisiert.

Die Randomisierung erfolgte in den ersten 48 Stunden. Die Beobachtungszeit betrug 6 Monate. Das Ausmaß der Behinderung und der Funktionseinschränkung wurde bei der Entlassung mit Rankin-Skala - Rankin scale score gemessen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Hemikraniektomie das Überleben signifikant verbesserte (33% vs. 70% in der Kontrollgruppe). Auch der Anteil der Patienten ohne schwere Behinderungen war in der Hemikraniektomie-Gruppe deutlich höher (38% vs. 18%).

Bei der Entlassung gab es keine Patienten, die symptomfrei waren, oder nur leichte Behinderung hatten. 7% der Patienten in der Hemikraniektomie hatten bei der Entlassung verglichen mit 3% der Patienten in der Kontrollgruppe mindestens eine mittelgradige Behinderung (Rankin-Score 3), sie benötigten Hilfe im Alltag, konnten aber ohne Hilfe gehen. Mittelschwere Behinderung (Rankin-Score 3) hatten 32% der Hemikraniektomie-Gruppe , verglichen mit 15% in der Kontrollgruppe (Rankin-Score 4: Benötigt Hilfe bei der Körperpflege, kann nicht ohne Hilfe gehen). Infektionen kamen in der Hemikraniektomie-Gruppe häufiger vor.

Fazit: Hemikraniektomie verbessert deutlich das Überleben ohne schwere Behinderung auch bei Patienten älter als 61 Jahren, die einen malignen ischämischem Schlaganfall mit Hirnödem hatten. Die meisten der Überlebenden brauchten noch Hilfe im Alltag. Etwa ein Drittel der Patienten hatten unter Hemikraniektomie ein einigermassen ausreichender neurologischer Funktionsstatus, ohne schwerste Behinderungen, wenn auch die Vorteile der HC bei älteren Patienten weniger ausgeprägt ist, wie bei jüngeren Patienten. Diese Studie liefert Daten, die den Ärzten bei der initialen Therapie-Entscheidungsfindung mit den Patienten und Angehörigen Hilfestellung geben kann.

1- Jüttler E et al. Hemicraniectomy in older patients with extensive middle-cerebral-artery stroke. N Engl J Med 2014 Mar 20; 370:1091

2- Katayoun Vahedi et al: Early decompressive surgery in malignant infarction of the middle cerebral artery: a pooled analysis of three randomised controlled trials. The Lancet Neurology, Volume 6, Issue 3, Pages 215 - 222, March 2007

 

 

 

 

 

 

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