Frei#  Benzodiazepine gelten beim kindlichen Status epilepticus als Therapie der ersten Wahl. Die Ergebnisse einiger Studien deuten darauf hin, dass der kurzwirksame Lorazepam gegenüber Diazepam besser wirksam und in der Anwendung sicherer ist; jedoch ist es seitens der US-amerikanischen Food And Drug Administration (Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassung) für diese Indikation nicht zugelassen.

Vom Status epilepticus spricht man, wenn die Anfallsaktivität länger als eine halbe Stunde andauert oder eine Serie von Anfällen stattfindet, ohne dass dazwischen die ursprüngliche Bewusstseinslage wiedererlangt wird.

Die folgende Untersuchung (PECARN-Studie) stellt obige Hypothese zur überlegenen Wirksamkeit und Sicherheit von Lorazepam bei der Behandlung des kindlichen Status epilepticus auf den Prüfstand.

Es handelt sich um eine doppelblinde, randomisierte klinische Studie, die im Zeitraum vom 1. März 2008 bis 14. März 2012 durchgeführt wurde und Patienten im Alter zwischen drei Monaten und 17 Jahren einschloss. Sie alle hatten sich mit einem konvulsiven Status epilepticus in einem der elf US-amerikanischen Lehrzentren für pädiatrische Notfälle vorgestellt.

Insgesamt waren dies 273 Patienten; 140 wurden zur Diazepam-, 133 zur Lorazepam-Gruppe randomisiert. Die Patienten erhielten entweder Diazepam in einer Dosis von 0,2 mg/kg oder 0,1 mg/kg Lorazepam per infusion intravenös. Bei Bedarf wurde nach fünf Minuten noch einmal die Hälfte der jeweiligen Dosis gegeben. Wenn der Status nach zwölf Minuten weiter anhielt, bekamen die Patienten Fosphenytoin.

Der primäre Endpunkt hinsichtlich der Wirksamkeit von Lorazepam war die Unterbrechung des Status epilepticus nach spätestens zehn Minuten, ohne Rückfall innerhalb der ersten 30 Minuten. Die Sicherheit des Medikaments als weiterer Studien-Endpunkt wurde anhand der Atemleistung bei assistierter Beatmung beurteilt. Nachrangige Endpunkte waren die Quote an wiederauftretenden Anfällen, die Sedierungsrate (als Nebenwirkung der Behandlung), die Zeit bis zur Unterbrechung des Status epilepticus sowie zur Wiederherstellung der ursprünglichen Bewusstseinslage. Diese Ergebnisse wurden vier Stunden nach Medikamentengabe gemessen.

Bei 101 der 140 Patienten (72,1 %) in der Diazepam-Gruppe wurde der Status epilepticus binnen zehn Minuten unterbrochen, wobei es innerhalb der ersten 30 Minuten zu keinem Rückfall kam – in der Lorazepam-Gruppe war dies bei 97 von 133 Patienten (72,9 %) der Fall, was einer absoluten Effektivitäts-Differenz von gerade einmal 0,8 % entspricht. In jeder Gruppe benötigten jeweils 26 Patienten eine assistierte Beatmung (16,0 % der mit Diazepam Behandelten; 17,6 % der Lorazepam-Patienten; absolute Risikodifferenz: 1,6 %). In der Lorazepam-Gruppe waren die Patienten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit sediert (66,9 % gegenüber 50 %, absolute Risikodifferenz: 16,9 %). Darüber hinaus gab es bezüglich der nachrangigen Studienendpunkte keine statistisch signifikanten Unterschiede.

FAZIT: Die Behandlung mit Lorazepam zeigte bei pädiatrischen Patienten mit konvulsivem Status epilepticus keine gegenüber Diazepam bessere Wirksamkeit oder höhere Sicherheit. Dass Lorazepam bei dieser Erkrankung häufig der Vorzug gegeben wird, kann durch die Ergebnisse dieser Studie nicht begründet werden, zumal unter Lorazepam häufiger eine Sedierung auftrat.

Anmerkung: Nach den Ergebnissen dieser Studie ist Diazepam weiterhin das Mittel der Wahl.

1-Chamberlain JM et al. Lorazepam vs diazepam for pediatric status epilepticus: A randomized clinical trial. JAMA 2014 Apr 23/30; 311:1652

 

 

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