Es gibt bisher keinen endgültigen Konsens darüber, wie das routinemäßige Wiederholung der CT-Schädel (RHCT: routine repeat head CT) bei Patienten mit traumatischer Hirnblutung standardisiert ablaufen soll. Die folgende Studie stellt die Hypothese auf, dass RHCT bei untersuchungsfähigen Patienten ohne neurologische Verschlechterung keine neurochirurgische Intervention wie Kraniotomie oder Kraniektomie zur Folge hat.

Es handelt sich hier um eine dreijährige prospektive Kohortenanalyse des Traumazentrums der Universitätsklinik Arizona, welches dem Level 1 angehört (Maximalversorgung). Die Patienten waren mindestens 18 Jahre alt und nahmen weder Thrombozytenaggregationshemmer noch eine Antikoagulation ein. Im initialen Schädel-CT und im RHCT hatte man bei den Patienten intrakranielle Blutungen festgestellt. Zu den neurochirurgischen Interventionen zählt die Studie die Kraniotomie und die Kraniektomie. Eine neurologische Verschlechterung lag definitionsgemäß bei verändertem Bewusstsein, fokal-neurologischen Defiziten und/oder Pupillenveränderungen vor.

Insgesamt wurden 1.129 Patienten in die Studie eingeschlossen, davon wurde bei 1.099 Teilnehmern das RHCT routinemäßig durchgeführt. In 19,7 % der Fälle (216 von 1.099) kam es zu einer kontinuerlichen Verschlechterung der neurologischen Funktionen. Vier Patienten mussten einer nachfolgenden neurochirurgischen Operation unterzogen werden. Bei wiederum vier Patienten mit einer pathologischen neurologischen Untersuchung und einem Wert von ? 8 auf der Glasgow Coma Scale (GCS) wurde die Intubation erforderlich.

30 Patienten erhielten das RHCT nicht routinemäßig, sondern erst, nachdem sie sich neurologisch verschlechtert hatten. Bei 53 % (16 von 30) korrelierte das RHCT bildmorphologisch mit der klinischen Verschlechterung. Von diesen benötigten wiederum 75 % (12 von 16) eine neurochirurgische Intervention. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der VErschlechterung der neurologischen Symptome und der Notwendigkeit zur neurochirurgischen Intervention (Odd’s Ratio 3,98).

Von den Patienten mit einem GCS > 8, die in der neurologischen Untersuchung keine Verschlechterung zeigten, musste tatsächlich auch keiner neurochirurgisch interveniert werden (negativer Vorhersagewert 100 %).

FAZIT: Die routinemäßige Wiederholung der CT-Schädel ist bei Patienten mit unauffälliger neurologischer Untersuchung nicht notwendig. Sie ist auch keine sinnvolle Ergänzung der notwendigen neurologischen Untersuchung, um die Vorgehensweise bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma festzulegen.

Anmerkung: Patienten mit unauffälliger neurologischer Untersuchung brauchten keine einzige neurochirurgische Intervention, dann sind auch keine Wiederholungen der CT-Schädel-Untersuchung erforderlich.

1-Joseph B et al. A three-year prospective study of repeat head computed tomography in patients with traumatic brain injury. J Am Coll Surg 2014 Mar 1

 

 

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