Es besteht ein dringender Bedarf an verlässlichen Biomarkern zur Beobachtung der Progression der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) in der klinischen Praxis und pharmakologische Untersuchungen.

In einer aktuellen Studie haben Mediziner mehrere hämatologische Marker, welche bei der Diagnosestellung der ALS in einer populationsbasierten Patientengruppe erhoben wurden, verglichen. Anschließend versuchten sie diese Ergebnisse bei einer zweiten unabhängigen Patientengruppe zu reproduzieren (Unterscheidung in „discovery cohort" als erste Teilnehmergruppe und eine „validation cohort") .

In die erste Patientengruppe wurden 712 Patienten mit ALS aus dem „Piemont and Valle d´Aosta Register for Amyotrophic Lateral Sclerosis" vom 1. Januar 2007 bis 31. Dezember 2011 aufgenommen. Die Validierungsgruppe umfasste 122 Patienten mit ALS in verschiedenen Stadien der Erkrankung welche regelmäßig in einer Spezialklinik zwischen 1. Januar 2007 und 1. Januar 2009 untersucht wurden.

Die folgenden hämatologischen Parameter wurden ermittelt und hinsichtlich einer Korrelation mit dem Überleben untersucht: Gesamtleukozytenzahl, Neutrophile, Lymphozyten, Monozyten, Glukose, Kreatinin, Harnsäure, Albumin, Bilirubin, Gesamtcholesterin, Triglyzeride, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, CK, TSH, BSG.

Alle Analysen wurden geschlechtsspezifisch durchgeführt. Des weiteren wurde bei der Validierungsgruppe eine bioelektrische Impedanzmessung durchgeführt um die fettfreie Masse zu bestimmen. Von den 712 Patienten der ersten Gruppe wurden 638 (89,6%) in die Studie aufgenommen.

-Nur beim Serum-Albumin ( ? 4,3 vs. > 4,3 mg/dl), Kreatininspiegel (Männer ? 0,82 vs. > 0,82; Frauen ? 0,65 vs. >0,65) und der Lymphozytenzahl ( ? 1700 vs. >1700/µl) ergab sich ein signifikanter Zusammenhang mit dem Outcome mit einem sogenannten „dose-response" Effekt (höhere Überlebensrate bei steigenden Werten). Diese Datenlage wurde in der Validierungsgruppe nochmals bestätigt.

In der multivariaten Analyse wurde gezeigt, dass Serum-Albumin ? 4,3 (Männer HR 1,39; Frauen 1,73) und Kreatinin ?0.82 mg/dL (Männer HR 1,47; Frauen 1,49) unabhängige Prädikatoren der Überlebensrate bei beiden Geschlechtern sind. Für weitere Werte aus der hämatologischen Untersuchung konnte dieser Zusammenhang nicht gezeigt werden. Bei Patienten mit ALS ergab sich ein Zusammenhang von Albumin mit Entzündungsparametern, während Kreatinin mit der fettfreien Masse (als Marker für die Muskelmasse, je weniger Muskelmasse desto geringer der Kreatinin-Wert) korrelierte.

Fazit: Für Patienten mit amyotropher Lateralsklerose, gleich welchen Geschlechts, wurden niedriger Serum-Albumin und niedriges Kreatinin als unabhängige Marker für das Outcome ermittelt.

Ein niedriger-Kreatinin-Wert zeigt dabei den Zusammenhang mit dem Muskeluntergang, ein niedriger Albumin-Wert hingegen ist mit der Aktivität der Entzündungsreaktion assoziiert. Beide Parameter eignen sich daher als verlässliche Marker für die Schweregradbestimmung und können zum Erstellen einer Prognose zum Zeitpunkt der Diagnose genutzt werden.

1-Chio et al. Amyotrophic lateral sclerosis outcome measures and the role of albumin and creatinine: A population-based study. JAMA Neurology 2014 Jul 21. doi: 10.1001/jamaneurol.2014.1129

 

 

 

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