Ältere Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren erhalten vor elektiven Operationen oft eine Duplex-Sonographie der Carotiden. Bei Stenosen > 70% ist es gar nicht so selten, dass vor der eigentlichen OP erstmals eine Karotis-Stentanlage oder Endarteriektomie durchgeführt wird. Ob die arterielle Karotisstenose das Schlaganfall-Risiko nach einer nicht-kardialen Operation voraussagen kann, ist jedoch unklar. Genau diese Frage untersuchte eine retrospektive Studie in „Anesthesiology" (1).

In dieser Studie wurden alle Patienten, die sich in der Cleveland Klinik von 2007 bis 2011 einer nicht-kardiovaskulären Operation unterzogen und sechs Monate vor und einen Monat nach der Operation eine Karotis-Duplex-Sonographie durchgeführt wurde, involviert. Die Ergebnisse:

Von 2110 Patienten starben 112 (5.3) in den ersten 30 Tagen und 54 (2.6) erlitten einen in-Hospital-Schlaganfall postoperativ.

Die Karotisstenose war nicht mit dem Gesamt-Outcome assoziiert (OR 1.0), und ebenfalls nicht mit postoperativem Herzinfarkt. Diese Ergebnisse waren auch unabhängig von dem Grad der Karotisstenose bei der Duplex-Sonographie: Weder die Stenosen > 70% noch die < 70% waren mit einem erhöhten Risiko für postoperativ-stationäre Schlaganfälle assoziiert.

Fazit: Selbst bei den Hochrisiko-Patienten in der Studie gab es keine Assoziation zwischen Karotisstenose und perioperativem Schlaganfall-Risiko oder 30-Tages-Mortalität nach einer nicht-kardialen Operation.

Anmerkung: Eine Routine-Screening für Karotisstenose via Duplex-Sonographie ist vor nicht-kardialen Operationen nicht indiziert, auch nicht Aussagekräftig zur Abschätzung des Schlaganfall-Risikos, es sei denn, der Patient habe neurologische Symptome. 

1-Sonny A et al. Lack of association between carotid artery stenosis and stroke or myocardial injury after noncardiac surgery in high-risk patients. Anesthesiology. 2014 Nov;121(5):922-9.

 

 

 

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