Frei#  Das Muster von endokrinen Störungen bei Langzeit-Überlebenden nach Krebs in der Kindheit wurde nicht vollständig verstanden und untersucht. In einer aktuellen Studie (1) wurde das Lebenszeitrisiko von diesen Störungen bei skandinavischen Überlebenden nach Krebs in der Kindheit untersucht.

Es wurden die nationalen Krebsregister aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden durchsucht. Es wurden 31 723 1-Jahr-Überlebende nach Krebs in der Kindheit seit dem Registrationsbeginn um 1940 und 1950 gefunden. Es wurde von den nationalen Populationsregistern zufällig eine Vergleichskohorte von Menschen erstellt, die für Alter, Geschlecht und Land gematcht war. Die Daten der Studienteilnehmer wurden zu den Daten der nationalen Krankenhausregister verknüpft. Es wurde die beobachtete Anzahl an erstmaligen Krankenhauskontakten auf Grund von endokrinen Störungen bei Überlebenden nach Krebs in der Kindheit mit der erwarteten Anzahl verglichen, die man durch die Vergleichskohorte bestimmt hatte. Es wurde das absolute Überschussrisiko berechnet, das auf den Status als ein Überlebender von Krebs in der Kindheit und auf die Ratio der standardisierten Krankenhauseinweisungsrate (SHRR) zurückzuführen ist.

Insgesamt wurden Daten von 3292 Patienten erfasst, die den Krebs in der Kindheit überlebt hatten, und die sich auf Grund von endokrinen Störungen in einem Krankenhaus vorgestellt hatten. Das ergab ein SHRR von 4,8. Bei Überlebenden nach einer Leukämie (SHRR 7,3), nach ZNS-Tumoren (6,6) und nach Hodgkin-Lymphomen (6,2) war das Risiko am höchsten.

Das absolute Überschussrisiko für endokrine Störungen war ungefähr 1000 pro 100 000 Personenjahren bei einem Alter von unter 20 Jahren und 400 pro 100 000 Personenjahren für die restliche Lebenszeit.

Bei Kindern, bei denen der Krebs zwischen fünf und neun Jahren diagnostiziert wurde, war das kumulative Risiko für endokrine Störungen am höchsten und erreichte bei einem Alter von 60 Jahren 43%. Die Diagnosen der Hypophysen-Unterfunktion (SHRR 88,0), Hypothyreose (9,9) und testikulären und ovariellen hormonellen Dysfunktion (respektive 42,5 und 4,7) stellten zusammen 61% aller krankheitsinduzierten und behandlungsinduzierten endokrinen Störungen bei Überlebenden von Krebs in der Kindheit dar.

FAZIT: Es wurde ein kumulatives Risiko für endokrine Störungen von über 40% bei einem Alter von 60 Jahren bei Überlebenden nach Krebs in der Kindheit gefunden. Am Häufigsten waren Leukämie-Überlebende betroffen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Ausmaß der Therapie-Folgeschaden (insbesondere durch Chemotherapie und Radiotherapie) verringert werden sollte. Es bedarf einer intensivierten, sekundären Prävention und dem zielgerichteten Nachbeobachten von Überlebenden während ihres gesamten Lebens.

Ein Hausarzt, der häufig bei diesen Patienten die Nachsorge durchführt, ist oft für die Langzeitnebenwirkungen nicht ausgebildet. Patienten, die einen Krebs in der Kindheit überlebt haben, sollten daher die Nachsorge in spezialisierten Zentren für pädiatrische Onkologie erhalten.

1-de Fine Licht S et al. Hospital contacts for endocrine disorders in adult life after childhood cancer in Scandinavia (ALiCCS): A population-based cohort study. Lancet 2014 Feb 18

 

 

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