Frei#  Die Pflege in der terminalen Lebensphase findet häufig auf der Intensivstation statt, da Patienten, die lebenserhaltende Maßnahmen benötigen, in der Regel nicht verlegungsfähig sind – weder nach Hause noch in ein kommunales Hospiz. Ein neuer Ansatz könnten hier klinikinterne Hospizstationen sein.

Eine Studie aus Atlanta (1) beschäftigte sich damit, ob die Verlegung von Patienten im Endstadium ihrer Krankheit von der Intensivstation auf eine klinikinterne Hospizstation praktikabel ist.

Es wurden die klinischen Merkmale von verlegten Patienten beschrieben und mit denen von Patienten verglichen, die trotz ähnlicher Merkmale nicht verlegt worden waren. Die Studie bewertete auch die Wirtschaftlichkeit klinikinterner Hospizstationen und ihre Auswirkung auf den Klinikbetrieb.

 Es handelt es sich um eine retrospektive Chart Review, die auf den Intensiv- und Hospizstationen zweier städtischer Universitätskliniken im Südosten der USA durchgeführt wurde. Über einen Zeitraum von sechs Monaten wurden die Akten von sich auf der Intensiv- und der Hospizstation ereignenden Todesfällen begutachtet. Anhand von Aufzeichnungen der Hospizverwaltung konnten alle Verlegungen auf die klinikinterne Hospizstation ausfindig gemacht werden.

Als versäumte Verlegung wurden die Fälle bezeichnet, bei denen Patienten für mehr als 48 Stunden in ein Krankenhaus aufgenommen waren und dabei entweder eine rein symptomlindernde Palliativtherapie erhielten oder bei denen das Beenden der lebenserhaltenden Maßnahmen vorgesehen war.

Aus der Studie ausgeschlossen wurden Patienten dann, wenn bei ihnen die Diagnose „Hirntod" gestellt worden war, es sich um Organspender handelte oder eine hochfrequente Beatmung notwendig war. Waren die Informationen in der Patientenakte unvollständig, wurde dieser Fall ebenfalls nicht mit in die Studie aufgenommen.

Insgesamt wurden auf diese Weise 167 erfolgte und 99 versäumte Verlegungen identifiziert. Bei 37 % der Patienten, bei denen eine Verlegung auf die Hospizstation sinnvoll gewesen wäre, verpasste man dies. Diejenigen, die tatsächlich verlegt wurden, waren im Schnitt älter (66,9 vs. 60,4 Jahre; p < 0,05) und wurden weniger häufig maschinell beatmet (71,9 % vs. 90,9 %) oder mit Vasopressoren behandelt (70,9 % vs. 95,0 %; p < 0,05). Auch kam bei ihnen seltener ein palliativpflegerischer Konsiliardienst (70,4 % vs. 43,4 %; p < 0,05). Durch die Verlegungen konnten auf den Intensivstationen 585 Bettentage eingespart werden.

FAZIT: Prinzipiell sind klinikinterne Hospizstationen ein guter und praktikabler Ansatz, um Patienten von der Intensivstation im Endstadium ihres Lebens zu versorgen. Hierbei gilt es aber noch, bestehende Hindernisse wie mangelhaftes Wissen auf Seiten der einzelnen Abteilungen bzw. des Trägers zu überwinden. Teilweise haben auch die Angehörigen Vorbehalte, wenn der Patient die Intensivstation verlassen soll. Für das Krankenhaus selber wie auch für das Gesundheitssystem im Allgemeinen könnten klinikinterne Hospizstationen in puncto Bettentage und Kosten entscheidendes Einsparpotential bieten.

Anmerkung: Unabhängig von möglichen Kostenersparnissen könnte klinikinterne Hospizstationen weitere Vorteile anbieten, wenn man den Zeitdruck, Personalmangel auf Intensivstationen bedenkt: Mehr Zeit und Resourcen für die persönliche Betreuung der Patienten und Ihrer Angehörigen, die in dieser letzten Lebensphase besonders wichtig ist.

1-Binney ZO et al. Feasibility and economic impact of dedicated hospice inpatient units for terminally ill ICU patients. Crit Care Med 2014 May; 42:1074.

 

 

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