Frei#  Die meisten Patienten mit einem ausgedehntem kleinzelligem Lungenkarzinom (ES-SCLC, extensive Stage Small-Cell Lung Cancer), die sich der Chemotherapie und prophylaktischer Schädelbestrahlung unterziehen, haben persistierende intrathorakale Erkrankung. Eine aktuelle randomisierte Phase-III-Studie (1) prüfte die Bestrahlung des Brustkorbs als Behandlungsmöglichkeit für diese Patientengruppe.

Es handelt sich um eine randomisierte, kontrollierte Studie, die an 42 Krankenhäusern verlief (16 in den Niederlanden, 22 in Großbritannien, 3 in Norwegen und 1 in Belgien). Eingelschloßen wurden Patienten mit einer WHO-Leistungspunktzahl von 0 bis 2, die bei bestätigtem ES-SCLC auf die Chemotherapie ansprachen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen randomisiert (in einem 1:1 Verhältnis): Eine Gruppe erhielt Brustkorb-Bestrahlung (30 Gray in zehn Fraktionen), die andere Gruppe erhielt keine Brustkorb-Bestrahlung. Alle Patienten unterzogen sich der prophylaktischen Schädelbestrahlung. Der primäre Endpunkt war das Allgemeinüberleben nach einem Jahr in der intention-to-treat Bevölkerung. Einer der sekundären Endpunkte war das progressionsfreie Überleben.

Die 498 Patienten wurden zwischen dem 18. Februar 2009 und dem 21. Dezember 2012 randomisiert. Drei Patienten gaben nach Aufklärung keine Einwilligung, somit verblieben 247 Patienten in der Thoraxradiotherapiegruppe und 248 Patienten in der Kontrollgruppe. Die durchschnittliche Zeitspanne zwischen Diagnose und Randomisierung lag bei 17 Wochen. Das mittlere Follow-Up lag bei 24 Monaten.

Das Allgemeinüberleben nach einem Jahr war vergleichbar in beiden Gruppen: 33,9% der Thoraxradiotherapiegruppe versus 28% der Kontrollgruppe (mit einem Hazard Ratio von 0,84). In einer sekundären Analyse zeigte sich jedoch das das 2-Jahres-Überleben in der Thoraxradiotherapiegruppe bei 13% lag und in der Kontrollgruppe bei nur 3%.

Eine Progression der Erkrankung war in der Thoraxradiotherapiegruppe weniger wahrscheinlich als in der Kontrollgruppe (Hazard Radio von 0,73). Nach 6 Monaten lag das progressionsfreie Überleben bei 24% versus 7%. Es wurden keine schweren toxischen Nebenwirkungen beobachtet. Die Nebenwirkungen mit einer Toxizität von mindestens Grad 3 die an häufigsten auftraten waren Müdigkeit (11 vs 9) und Luftnot (3 vs 4).

Fazit: Die Bestrahlung des Brustkorbs, zusätzlich zur prophylaktischen Schädelbestrahlung, sollte bei allen Patienten mit ausgedehntem kleinzelligem Lungenkarzinom, die auf Chemotherapie angesprochen hatten, in Betracht gezogen werden.

1-Slotman et al. Use of thoracic radiotherapy for extensive stage small-cell lung cancer: A phase 3 randomised controlled trial. Lancet. 2014 Sep

 

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