Frei#  Hintergrund: In der Notaufnahme ist die Verletzung am Ellenbogen ein häufig gesehenes Krankheitsbild. Meist kommen hierbei Ellenbogenluxationen oder -frakturen vor. Frühere Studien empfahlen bei positivem Ellenbogen-Strecktest eine Röntgenaufnahme zur weiteren Abklärung durchzuführen. Der Strecktest ist positiv, wenn der verletzte Arm gegenüber dem gesunden ein sichtbares Defizit in der Extension (Strecken) zeigt. Trotz dieser Empfehlung gibt es keine allgemeine Leitlinie für Patienten, die ein Röntgenbild benötigen, herauszufiltern. Das steht im Gegensatz zu den Leitlinien anderer Extremitätenverletzungen, bei denen anhand der Klinik eine allgemein akzeptierte Empfehlung für Röntgenaufnahmen ausgesprochen wird. Dadurch kommt es insgesamt zu weniger Strahlenbelastung und verringerten Wartezeiten. Das Ziel der vorliegenden Studie ist es klinische Zeichen, die verwendet werden können, um den Bedarf einer Röntgenaufnahme vorherzusagen, zu bestimmen.

Methode: Die Forscher führten an zwei Notaufnahmen in Niederlanden eine prospektive Beobachtungsstudie durch. Bei jedem geeigneten Patienten mit einer akuten Verletzung des Ellenbogens wurde der Ellenbogen-Strecktest und zusätzlich die Druckpunkte am Olecranon, an den Epicondylen und am Radiuskopf auf Schmerzhaftigkeit beurteilt. Auf diese Weise wurde die Notwendigkeit einer Röntgenaufnahme, der erste Endpunkt der Studie, vorhergesagt. Bei einer Untergruppe der Patienten wurde durch einen zweiten, verblindeten Forscher ein zweiter Befund erhoben um die Interobserver-Variablität untersuchen zu können. Dies war der zweite Endpunkt der Studie. Alle Patienten erhielten eine Röntgenaufnahme des Ellenbogens im anterior-posterioren und lateralen Strahlengang. Die Frakturen wurden gemäß der aktuellen Leitlinien behandelt und die Patienten wurden ambulant weiter beobachtet.

Ergebnis: Insgesamt wurden 587 Patienten eingeschlossen. Eine normale Extension wurde bei 174 (30 %) Patienten beobachtet. Eine normale Extension sagte mit einer 88 %-Sensitivität und einer 55 %-Spezifität die Abwesenheit einer Fraktur oder eines isolierten Fettpolsterzeichens voraus. Fünf Patienten mit normaler Extension hatten operationspflichtige Frakturen. Bei Patienten mit normaler Extension gab es in nur 24 Fällen eine Abwesenheit von schmerzhaften Druckpunkten. 3 von diesen 24 Patienten hatten eine Fraktur und einer musste operiert werden. Der Strecktest und die Untersuchung auf schmerzhafte Druckpunkte ergaben gemeinsam eine 98 %-Sensitivität und 11 %-Spezifität, um die Abwesenheit einer Fraktur oder eines Fettpolsterzeichen zu bestimmen. Die Analyse der Interobserver-Variabilität für den Strecktest und die Palpation der Druckpunkte am Olecranon, an den Epicondylen und am Radiuskopf ergaben Kappa-Werte zwischen 0,6 und 0,7. Ein Kappa-Wert gegen 1 zeigt eine hohe Übereinstimmung und gegen 0 eine niedrige Übereinstimmung der Untersuchungsergebnisse an.

Fazit: Im Gegensatz zu früheren Studien zeigte diese Studie, dass bei einer akuten Ellenbogenverletzung der Strecktest alleine oder in Kombination mit schmerzhaften Druckpunkten nicht sicher eine klinisch signifikante Verletzung ausschließt. Für die akute Ellenbogenverletzung lehnen die Autoren ab, den Strecktest mit oder ohne Untersuchung schmerzhafter Druckpunkte zur Entscheidung für eine Röntgenaufnahme heranzuziehen.

Anmerkung: Der Strecktest und die Untersuchung auf schmerzhafte Druckpunkte hatten gemeinsam eine 98 %-ige Sensitivität. Das heißt, wenn der Patient den Arm durchstrecken kann, und keine Druckschmerzen hat, ist die Wahrscheinlichkeit einer Fraktur sehr gering. Ist es nicht an sich ausreichend, wenn die Ärzte es gut dokumentieren und Patienten aufklären, dass sie sich bei Beschwerden sofort wieder vorstellen sollten?

1- Jie KE et al. Extension test and ossal point tenderness cannot accurately exclude significant injury in acute elbow trauma. Ann Emerg Med 2014 Feb 17;

2-siehe auch: Ellenbogen-Streckungs-Test: Hilfreich zum Ellenbogen-Fraktur-Ausschluss, 2009

 

 

 

 

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