Frei#  Nach der Implantation einer Totalendoprothese sind Infektionen im operierten Gelenk eine schwerwiegende und gefürchtete Komplikation. Der OP-Situs kann beispielsweise durch eine Kontamination aus dem Bereich der Harnwege verunreinigt werden, gleichzeitig ist jedoch bislang auch noch unklar, welche Rolle eine asymptomatische Bakteriurie (ASB) im Vorfeld elektiver Eingriffe für das spätere Infektionsrisiko spielt.

Häufige Erreger von Endoprothesen-Infektionen sind Koagulase-negative Staphylokokken, Staph. aureus, Streptokokken, gramnegative Stäbchen, Enterokokken und Anaerobier (1). Der wohl häufigste Keim im unsterilen Urin ist E. coli, je nach Patientenklientel kann das Erregerspektrum jedoch die verschiedensten Mikroorganismen umfassen (B-Streptokokken, Pseudomonaden uvm.).

Nun wurde eine multizentrische Kohortenstudie (2) in Europa durchgeführt, in der bei Patienten vor ihrem Hüft- oder Kniegelenksersatz zunächst eine Urinprobe genommen wurde. Hier konnten diejenigen Fälle identifiziert werden, bei denen eine ASB vorlag. Ob dann eine präoperative Antibiotikabehandlung erfolgte oder nicht, wurde individuell entschieden – diese war also keine obligatorische Konsequenz aus der Urinkultur. Auch verzichtete man auf eine Randomisierung. Der primäre Endpunkt der Studie war die Endoprothesen-Infektion (prosthetic joint infection, PJI) innerhalb des ersten Jahres nach dem Eingriff.

Insgesamt wurden 2497 Patienten in die Studie eingeschlossen.

Die Prävalenz einer ASB betrug 12,1 % (303 von 2497) und lag bei den Frauen mit 16,3 % höher als bei den Männern (5,0 %; Odd’s Ratio [OR] = 3,67).

Zu einer Endoprothesen-Infektion kam es in insgesamt 1,7 % der Fälle. Diese Rate an PJI-Infektionen war in der ASB-Gruppe deutlich höher als bei den Patienten ohne ASB (4,3 % vs. 1,4 %; OR = 3,23).

Innerhalb der ASB-Gruppe zeigte sich aber hinsichtlich der PJI-Rate kein signifikanter Unterschied zwischen den antibiotisch vorbehandelten und den unbehandelten Patienten (3,9 % vs. 4,7 %).

Gramnegative Erreger als Ursache der Infektion waren in der ASB-Gruppe signifikant häufiger zu finden als in der Patientengruppe ohne ASB. Diese Erreger korrelierten jedoch nicht mit den Isolaten aus der präoperativ angefertigten Urinkultur.

FAZIT: Die asymptomatische Bakteriurie ist der Studie zufolge ein unabhängiger Risikofaktor für das Auftreten einer Endoprothesen-Infektion, und zwar insbesondere bei Infektionen durch gramnegative Erreger. Eine präoperative Antibiotikatherapie hat offenbar keinerlei Nutzen und kann somit nicht empfohlen werden.

Anmerkung: Anscheinend bringt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht bei asymptomatischen Patienten Urinstatus durchzuführen, bis weitere DAten vorliegen, da eine Antibiotikatherapie das Prothesen-Infektionsrisiko nicht mindert.

1- Sousa R et al. Is asymptomatic bacteriuria a risk factor for prosthetic joint infection? Clin Infect Dis 2014 Jul 1; 59:41

 

 

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