Schmerzbeschwerden korrelieren nicht mit dem Schweregrad einer Ruptur der Rotatorenmanschette - Querschnittsstudie mit 393 Patienten mit symptomatischer, atraumatischer Totalruptur der Rotatorenmanschette.

Bei vielen orthopädischen Krankheiten korreliert das Ausmaß der Beschwerden mit dem Schweregrad der Erkrankung. Eine aktuelle Studie (1) untersuchte, ob die Stärke des Schmerzes in direktem Zusammenhang mit dem Schweregrad einer Ruptur der Rotatorenmanschette liegt.

Die Autoren der Studie analysierten eine Kohorte von 393 Patienten, bei welchen eine atraumatische, symptomatische Totalruptur der Rotatorenmanschette mit Physiotherapie behandelt wurde. Bei allen Patienten wurde der Rotatorenmanschettenruptur per Magnetresonanztomographie (MRT) diagnostiziert.

Um den Zusammenhang zwischen Schweregrad der Ruptur und Schmerzstärke zu bestimmen, untersuchten die Autoren die Daten, die vor Beginn der Behandlung bei den Patienten gesammelt wurden. Der Schweregrad der Erkrankung wurde anhand des Ausmaßes der Ruptur, der Retraktion, der proximalen Humeruskopfmigration und der Atrophie der Muskeln der Rotatorenmanschette ermittelt. Die Schmerzstärke wurde mittels visueller Analogskala (VAS) angegeben (eine 10-Punkte-Schmerzskala der Gesellschaft für Schulter und Ellenbogen-Chirurgie, ASES).

Mit dem VAS-Skore als abhängige Variable und den Schweregradmaßen der Ruptur sowie anderen nicht-anatomischen Patienteneigenschaften als unabhängige Variablen erstellten die Autoren ein multiples lineares Regressionsmodell.

Achtundvierzig Prozent der Patienten waren Frauen und das mittlere Alter war 61 Jahre. Die dominante Schulter war in 69% der Patienten betroffen. Die Beschwerden dauerten bei 8% der Patienten weniger als einen Monat an; bei 22% verblieben sie 3-6 Monate; bei 20% der Patienten 4-6 Monate; bei 15%,  7-12 Monate und bei 36% der Patienten dauerten sie länger als ein Jahr an.

Bei 72% der Patienten betraf die Ruptur nur den Supraspinatus; bei 21% waren Supra und Infraspinatus betroffen, mit oder ohne Teres Minor; bei 7% war der Subscapularis der einzige betroffene Muskel. Eine Migration des Humeruskopfes war bei nur 16% der Patienten zu beobachten. Die Sehnenretraktion war bei 48% der Patienten minimal; bei 34% wurde eine mitthumerale Retraktion beobachtet; bei 13% war die Retraktion glenohumeral und bei 5% war sie glenoidal. Der mittlere Wert der VAS Schmerzpunktzahl war 4,4.

Das multivariable Model mit Kontrolle über andere Baseline-Faktoren identifizierte die Zunahme der Begleiterkrankungen, ein niedrigeres Bildungsniveau und die Ethnie als die einzigen Faktoren, die signifikant im Zusammenhang mit dem Schmerz standen. Keines der Schweregradmaße der Ruptur korrelierte mit der Schmerzstärke bei Aufnahme der Patienten.

Fazit: Der Befund eines totalen Rotatorenmanschettenrupturs in der Bildgebung in MRT korreliert nicht mit der Stärke des Schmerzes. Begleiterkrankungen, niedrigeres Bildungsniveau und Ethnie korrelieren hingegen mit den Schmerzangaben.

Anmerkung: Die Ärzte können bei Patienten mit Schulterschmerzen nicht automatisch annehmen, dass der atraumatische Rotatorenmanschettenruptur, diagnostiziert durch MRT, für die Schmerzen verantwortlich ist. Somit ist diese Konstellation keine verlässliche Methode, um die Patienten auszuwählen, die von einer Operation der Rotatorenmanschette profitieren würden.

1-Dunn WR et al. Symptoms of pain do not correlate with rotator cuff tear severity: A cross-sectional study of 393 patients with a symptomatic atraumatic full-thickness rotator cuff tear. J Bone Joint Surg Am 2014 May 21;96(10):793-800

 

 

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