Frei#  Eine doppelblinde randomisierte kontrollierte Studie (1) zu Therapie Ergänzungs- und Umstellungsstrategien für refraktäre soziale Phobie.

Die meisten Patienten bleiben symptomatisch nach einer ersten Intervention mit den zugelassenen Behandlungen der generalisierten sozialen Phobie (insgesamt sind die langfristigen Behandlungsergebnisse bei dieser oft chronisch, fluktuierend verlaufenden Erkrankung bisher noch nicht befriedigend; es besteht kein Konsens bezüglich eines Verfahrens der ersten Wahl). Diese multizentrierte, 12 wöchige, doppelblinde randomisierte kontrollierte Studie bietet systematische, prospektiv abgeleitete Daten zu den relativen Vorteilen verschiedener Pharmakotherapien die für den "nächsten Schritt" der Behandlung refraktärer sozialer Phobie in Frage kommen.

Die Autoren verglichen die relativen Vorteile von drei möglichen Strategien für die weitere Behandlung von Patienten die nach 10-wöchiger Sertralin (SSRI)-monotherapie symptomatisch blieben (Liebowitz-Soziale-Angst-Skala (LSAS) Punktzahl > 50) (die Liebowitz Skala ist eine international gebräuchliche Methode zur Fremdbeurteilung von sozialer Angst und Vermeidungsverhalten). Folgende Strategien wurden verglichen: Ergänzung der ¬Sertralintherapie mit bis zu 3.0mg/Tag mit dem Benzodiazepin Clonazepam; Umstellung von Sertralin auf Venlafaxin; weitere Behandlung mit Sertralin, plus Placebo.

Insgesamt 397 Teilnehmer der Studie erhielten mindestens eine Dosis Sertralin; 181 bei Woche 10 therapierefraktäre Patienten (LSAS Punktzahl > 50) wurden randomisiert einer der drei Strategien zugeordnet: Sertralin plus Clonazepam, Umstellung auf Venlafaxine oder Sertralin plus Placebo. Insgesamt 21% der Patienten erzielten am Endpunkt der Studie eine Remission (LSAS Punktzahl ?30). Die Remissionsrate lag bei der Behandlung mit Sertralin plus Clonazepam bei 27%, 19% bei Venlafaxin und 17% bei Sertralin plus Placebo. Diese Unterschiede in der Remissionsrate erreichten jedoch keine statistische Bedeutsamkeit. Im Vergleich zur Behandlung mit Sertralin plus Placebo, konnte die Kombination Sertralin plus Clonazepam mit einer deutlich größeren Reduktion der LSAS Punktzahl assoziiert werden (p = 0,020) sowie mit einer Reduktion der Behinderung durch die Erkrankung (p = 0,0028). Bei dem Vergleich der Ergebnisse der Behandlungen mit Venlafaxin versus Sertralin plus Placebo oder Venlafaxin versus Sertralin plus Clonazepam konnten keine signifikanten Unterschiede dieser Parameter festgestellt werden. In ergänzender Auswertung war die Gesamtansprechrate ( LSAS Punktzahl ? 50) 46%. Die Ansprechrate in der mit Sertralin plus Clonazepam behandelten Gruppe (56 %) war signifikant höher als die Ansprechrate der Sertralin plus Placebo Gruppe ( 36%, p = 0,027 ); Die Unterschiede zwischen den Ansprechraten der Gruppen Venlafaxin versus Sertralin plus Placebo oder Venlafaxin versus Sertralin plus Clonazepam erreichten keine Signifikanz.

Fazit: Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass die Augmentation der Sertralintherapie mit dem Benzodiazepin Clonazepam (Rivotril) relative Vorteile für Patienten mit refraktärer generalisierter sozialer Phobie hat.

Meknowledge-Anmerkung: Clonazepam (Rivotril) wird ebenfalls bei der Alkoholentzugstherapie eingesetzt, und hat wie alle anderen Benzodiazepine ein erhebliches Abhängigkeitspotential, insbesondere bei Patienten mit Sucht- aber auch mit Angst-Störungen. Bei SSRI-therapierefräkterer sozialer Phobie könnte Psychotherapie insbesondere Verhaltenstherapie eine Therapie-Option sein.

1-Pollack MH et al. A double-blind randomized controlled trial of augmentation and switch strategies for refractory social anxiety disorder. Am J Psychiatry 2014 Jan 1; 171:44

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