Frei#  Antipsychotische Medikamente stellen normalerweise die Erstlinientherapie bei Patienten mit Schizophrenie dar; dennoch verweigern oder beenden viele Patienten ihre pharmakologische Behandlung. In einer aktuellen randomisierten Studie (1) wurde untersucht, ob die kognitive Verhaltenstherapie für die Reduktion von psychiatrischen Symptomen bei Patienten mit Schizophrenie, die keine antipsychotischen Medikamente einnehmen, wirksam ist.

Es wurde eine einfach-verblindete randomisiert kontrollierte Studie an zwei britischen Zentren zwischen dem 15. Februar 2010 und dem 30. Mai 2013 durchgeführt. Die Teilnehmer, die zwischen 16 und 65 Jahre alt waren, eine Schizophrenie hatten und keine antipsychotischen Medikamente einnahmen, wurden durch ein Computer-System zufällig zu einer Gruppengröße von vier oder sechs zugeteilt (1:1). Eine Gruppe erhielt die kognitive Verhaltenstherapie plus die übliche Behandlung, die andere Gruppe erhielt nur die übliche Behandlung. Die Randomisierung wurde durch den Studienort stratifiziert. Die Punkte der Ergebnisbeurteilung wurden auf die Gruppenverteilung angepasst. Das primäre Endergebnis war die Gesamtsumme auf der positiven und negativen Syndromen-Skala (PANSS), welche zu Studienbeginn und nach drei, sechs, neun, 12, 15 und 18 Monaten erhoben wurde. Die Analyse war eine intention-to-treat-Analyse mit einem ANCOVA Model, angepasst für den Studienort, das Alter, das Geschlecht und die Symptome zu Beginn der Studie. Die Studie ist als eine internationale standardisierte randomisiert kontrollierte Studie eingetragen, Nummer 29607432.

74 Individuen wurden zufällig aufgeteilt, um entweder die kognitive Verhaltenstherapie plus der üblichen Therapie (n=37) oder nur die übliche Behandlung (n=37) zu erhalten. Die mittleren PANSS-Summen waren in der kognitiven Verhaltenstherapie-Gruppe durchgehend geringer als in der üblichen Behandlungsgruppe, mit einer abgeschätzten Effektgröße zwischen den Gruppen von -6,52 (p=0,003). Es wurden acht schwere unerwünschte Ereignisse dokumentiert: zwei bei Patienten in der kognitiven Verhaltenstherapie-Gruppe (einer versuchte eine Überdosis einzunehmen und ein Patient, der ein Risiko für andere darstellte, beides nach Therapie) und bei sechs in der Gruppe mit der üblichen Behandlung (zwei Todesfälle, beide waren unabhängig von der Studienteilnahme oder von der psychische Gesundheit geschehen; drei Zwangseinweisungen für die Behandlung nach Gesetz für psychisch Kranke (PsychKG); und eine versuchte Einnahme einer Überdosis).

FAZIT: Die kognitive Verhaltenstherapie reduzierte signifikant die psychiatrischen Symptome. Die Behandlung scheint sicher zu sein und eine akzeptable Alternative für Patienten mit Schizophrenie, die keine antipsychotischen Medikamente einnehmen wollen. Die kognitive Verhaltenstherapie hatte einen günstigen Einfluss auf die Schizophrenie-Symptome und Alltagsfähigkeiten, jedoch weniger auf Depressionen oder Ängste, die diese Patienten ebenfalls häufig haben.

1-Morrison AP et al. Cognitive therapy for people with schizophrenia spectrum disorders not taking antipsychotic drugs: A single-blind randomised controlled trial. Lancet 2014 Feb 6

 

 

 

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