Frei#  Topiramat kann den Alkoholkonsum bei schweren Alkoholikern reduzieren, die Abstinent werden möchten. Topiramat hat eine Wirkung auf Glutamat-Rezeptoren, inbesondere auf die mit GRIK1-Polymorphismus. Patienten mit GRIK1-Polymorphismus sollen in der Regel weniger Topiramat-Nebenwirkungen zeigen. Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift American Journal of Psychiatry untersuchte bei schweren Alkoholikern, die mit Trinken aufhören möchten, wie weit Topiramat schweren Alkoholikern zu Abstinenz verhalf, und ob Vorhandensein von GRIK1 Polymorphismus mit weniger Topiramat-Nebenwirkungen assoziiert war.

Eine Gesamtzahl von 138 Teilnehmern (62,3% Männer) wurden 12 Wochen lang entweder für Topiramat (max. 200mg täglich) oder für Placebo randomisiert. Beide Gruppen erhielten eine kurz angesetzte Psychotherapie, um das Trinkverhalten zu reduzieren und die abstinenten Tage zu erhöhen. Die Hypothese lautete, dass Topiramat-behandelte Patienten besser diese Ziele erreichen könnten. Es wurde vorhergesagt, basierend auf vorhergehenden Untersuchungen, dass diese Effekte über einen Single-Nucleotid-Polymorphismus (rs2832407) in GRIK1, der für das Codieren der Kainate GluK1 Rezeptor-Untereinheit zuständig ist, vermittelt werden.

84,9% der Patienten beendeten die Studie. Diese Rate war bei beiden Behandlungsgruppen gleich. Eine Behandlung mit Topiramat reduzierte, verglichen mit dem Placebo, signifikant die schweren Trinktage und erhöhte die abstinenten Tage. Die Patienten, die Topiramat erhalten haben, hatten auch geringere Konzentrationen des Leberenzyms y-Glutamyl-Transpeptidase und einen geringeren Wert von gemessenen Alkohol-bezogenen Problemen als die Placebo-Gruppe. In einer europäisch amerikanischen Subgruppe (n=122) war der Effekt von Topiramat auf die schweren Trinktage nur bei rs2832407 C-Allel-Homozygoten signifikant höher als der Effekt des Placebos.

FAZIT: Topiramat verhalf schweren Alkoholikern mit Trinken aufzuhören. Patienten mit GRIK1-Polymorphismus hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, Topiramat besser zu vertragen, und darunter trocken zu werden. Die Untersuchung der Polymorphismus sollte möglicherweise in Zukunft in die Diagnostik für personalisierte Therapie aufgenommen werden.

Infos über Topiramat: Topiramat ist ein Wirkstoff, der bei der Behandlung der Epilepsie eingesetzt wird. Über verschiedene Mechanismen hemmt er eine übermäßige Erregung von Zellen im zentralen Nervensystem. Topiramat wird neben dem Einsatz bei der Epilepsie auch zur Prophylaxe von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen und auch zur Reduzierung des Trinkverhaltens bei schweren Alkoholikern angewandt. Als häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel, Parästhesien, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Geschmacksveränderungen und Durchfall zu nennen.

1- Kranzler HR et al. Topiramate treatment for heavy drinkers: Moderation by a GRIK1 polymorphism. Am J Psychiatry 2014 Feb 14

2-Die Sucht der Gene: Alkoholmissbrauch zu großem Teil genetisch bedingt

3-Topiramat (Topamax): Alkoholismus-Therapie mit Antiepileptika

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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