Frei#  Das Delir ist eine relativ häufige Komplikation bei älteren schwerkranken Patienten, insbesondere bei denen mit multiplen Begleitkrankheiten oder auch Demenz. Bislang wurden noch keine effektiven Interventionen für die Prävention eines Delirs in diesem Setting gefunden. In einer aktuellen Studie aus Japan wurde untersucht ob Ramelteon, ein Melatonin-Agonist gegen Schlafstörungen, für die Prävention eines Delirs wirksam ist.

Es wurde eine multizentrische, Bewerter-verblindete, randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie durchgeführt. Es nahmen Intensivstationen und normale Akutstationen von vier Universitätskliniken und von einem Allgemeinkrankenhaus teil. Geeignete Patienten waren zwischen 65 und 89 Jahre alt und wurden auf Grund von schweren Medikamentenproblemen neu aufgenommen. Die Patienten sollten oral Medikamente einnehmen können. Die Patienten wurden von der Studie ausgeschlossen, wenn sie eine erwartete Aufenthaltsdauer oder Lebensdauer von unter 48 Stunden hatten.

67 Patienten wurden zufällig zu Gruppen zugeteilt, um entweder jede Nacht Ramelteon (8 mg/d; 33 Patienten) oder um ein Placebo (34 Patienten) für sieben Tage zu erhalten.

Die Hauptmessgröße war das Vorkommen von Delir, das durch das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders definiert wurde.

Ramelteon war mit einem geringeren Risiko für ein Delir assoziiert (3% versus 32%), mit einem relativen Risiko von 0,09. Auch nach der Kontrolle für Risikofaktoren, war Ramelteon weiterhin mit einer geringeren Inzidenz eines Delirs assoziiert (p=0,01; Odds Ratio 0,07). Die Kaplan-Meier-Schätzung für die Zeit ein Delir zu entwickeln waren 6,96 Tage für Ramelteon und 5,74 Tage für den Placebo. Der Vergleich mit Hilfe eines Log-Rank-Tests zeigte, dass die Frequenz eines Delirs signifikant geringer bei Patienten war, die Ramelteon einnahmen, verglichen mit den Patienten, die den Placebo einnahmen (?2 =9,83; p=0,002).

FAZIT: Einmal täglich Ramelteon zur Nacht schützt möglicherweise ältere schwerkranken Patienten während einer akuten Behandlung im Krankenhaus vor einem Delir. Diese Ergebnisse unterstützen eine mögliche Rolle des zentralnervösen Melatonin-Stoffwechsels bei einem Delir.

Anmerkung: Ramelteon (Rozerem®) ist anscheinend vor allem bei älteren akut schwerkranken Patienten mit Risikofaktoren für Delir (z.B. manifeste oder beginnende Demenz, bereits delirante Episode in der Anamnese, Multimorbidität) im stationären Setting eine Option zur Delir-Prävention.

Hintergrundinformationen: Ramelteon (Rozerem®) ist ein Agonist am Melatonin-Rezeptor und wirkt schlaffördernd. Es wurde zur Behandlung von Einschlafstörungen und Schlaflosigkeit entwickelt. Die Wirksamkeit und Sicherheit von Ramelteon ist nicht ausreichend geklärt. Es zeigt in Tierversuchen eine teratogene und kanzerogene Wirkung. In Deutschland und auch in Europa ist Ramelteon noch nicht zugelassen.

1- Ramelteon

2-Hatta K et al. Preventive effects of ramelteon on delirium: A randomized placebo-controlled trial. JAMA Psychiatry 2014 Feb 19

 

 

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