Frei#  Eine systematische Auswertung von Metaanalysen: Es besteht großes Interesse an der Bestimmung der Effektivität von derzeit zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten in der Psychiatrie. Eine wesentliche Frage derzeit ist, wie wirksam Psychopharmaka bzw. Psychotherapie im Vergleich zueinander und zu Placebo sind.

Eine aktuelle Studie untersuchte die Effektivität von Pharmakotherapie und Psychotherapie für die wesentlichen psychiatrischen Erkrankungen in der Erwachsenenpsychiatrie, und fand heraus, dass die psychiatrische Pharmakotherapie funktioniert ähnlich gut wie die Pharmakotherapie nicht-psychiatrischer Krankheiten.

Dabei wurden Daten der publizierte Metaanalysen ausgewertet, welche Pharmakotherapie (PhT) oder Psychotherapie mit Plazebobehandlung , beide Behandlungskonzepte direkt miteinander, oder eine Kombination beider mit einer Monotherapie verglichen. 61 Metanalysen wurden zu verschiedenen 21 psychiatrischen Erkrankungen analysiert, insgesamt wurden 852 Einzelstudien mit ca. 137.000 Teilnehmern berücksichtigt.

Die mittlere Effektstärke der Metaanalysen war mittelstark und betrug 0.50.

Vergleichsstudien zeigten, dass Psychotherapie vs. Plazebo gegenüber Pharmakotherapie vs. Plazebo effektiver waren, ein direkter Vergleich fand jedoch keine signifikanten Unterschiede.

Einzelstudien zur Wirksamkeit von Pharmakotherapie verfügten meist über größere Stichproben, Verblindung, Kontrollgruppen, sowie intention-to-treat-Analysen (Anmerkung: Dieser Analysetyp nimmt einen Wirksamkeitsvergleich Plazebo vs. Behandlung vor, bei welchem die Daten sämtlicher Patienten gemäß ihrer Zuteilung bei der Studienplanung, d.h. der Behandlungsintention, berücksichtigt werden. Somit erfolgt die Auswertung unabhängig vom tatsächlich in der Studie durchgeführten Protokoll und es werden z. B. Ausfälle und Abbrecher in der Behandlungsgruppen mitberücksichtigt. Eine intention-to-treat-Analyse ist daher medizinisch aussagekräftiger, da die Auswertung eher die Gegebenheiten des „Behandlungsalltag" berücksichtigt).

Psychotherapiestudien wiesen hingegen niedrigere Ausfallquoten und mehr follow-up Daten auf. Zudem wiesen Wartelisten-Kontrollgruppen (Anmerkung: bei welchen Kontrollteilnehmende u.a. aus ethischen Gründen in jedem Fall eine Behandlung erhalten, jedoch mit zeitlicher Verzögerung zur Behandlungsgruppe) eine höhere Effektstärke auf als reine Plazebogruppen.

Fazit: Viele Pharmakotherapien und Psychotherapien sind effektiv, es besteht jedoch noch viel Raum zur Verbesserung. Da unterschiedlichen Methoden in den Pharmakotherapie bzw. Psychotherapiestudien verwendet worden, ist ein indirekter Vergleich dieser Behandlungen hinsichtlich der Effektstärke gegenüber einem Plazebo bzw. keiner Behandlung problematisch.

1-Huhn M et al. Efficacy of pharmacotherapy and psychotherapy for adult psychiatric disorders: A systematic overview of meta-analyses. JAMA Psychiatry 2014 Apr 30

 

 

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