Frei#  Langwirksame injizierbare Depot-Neuroleptika werden zur Langzeitbehandlung bei Schizophrenie eingesetzt, um Rezidive zu verringern. In Deutschland wird dafür häufig Haloperidol-Depot (Haldol-Depot) i.m. oder auch Fluanxol-Depot i.m. verwendet. Der Vorteil der i.m.-Injektionen liegt daran, dass sie in der Regel alle 2-3 Wochen verabreicht werden müssen, und somit mögliche Compliance-Probleme umgehen. Inzwischen gibt es jedoch auch atypische Antipsychotika als Depotpräparate (z.b. in Deutschland Risperidon als Risperdal® Consta). Bisher gibt es jedoch keinem direkten Vergleich zwischen den konventionellen und atypischen Neuroleptika als Depotpräparate. Eine aktuelle randomisierte US-Studie in „JAMA" verglich Haloperidol mit dem atypischen Neuroleptikum Paliperidon- in den jeweiligen Depot-Formen als i.m.-Injektion.

In die Studie waren insgesamt 311 Patienten mit Schizophrenie oder schizoaffektiven Störungen aus 22 Kliniken zwischen 2011 und 2013 eingeschlossen, die als Rückfallgefährdet eingestuft worden waren. Die Patienten erhielten randomisiert entweder Haloperidol-Decanoat 25 bis 200 mg oder Paliperidon-Palmitat 39 bis 234 mg monatlich. Die Studiendauer betrug 2 Jahre.

Die Wirksamkeit von Haloperidol-Decanoat und Paliperidon-Palmitat war ähnlich (angepasste Hazard Ratio 0.98), die Rate der Therapieversager vergleichbar (32,4% vs. 33,8 %). Insgesamt haben die Patienten in der Paliperidon-Palmitat-Gruppe an Gewicht zugenommen, und die in der Haloperidol-Decanoat abgenommen. Des Weiteren hatten Patienten, die Paliperidon-Palmitat höheren Serum-Prolactin-Spiegel. Wiederum leideten Patienten in der Haloperidol-Decanoat-Gruppe als Nebenwirkung häufiger unter einer motorischen Unruhe (HR 0,73 vs. 0,45).

Fazit: Bei Patienten mit Schizophrenie oder schizoaffektiven Störungen ist das klassische Neuroleptikum Haloperidol als intramuskuläres Depotpräparat zur Langzeittherapie ähnlich wirksam wie das entsprechende Depotpräparat des atypischen Neuroleptikums Paliperidon.

Unter Paliperidon-Palmitat kam es häufiger zu Gewichtszunahme, und Serum-Prolaktin-Erhöhung, gleichzeitig hatte Haloperidol-Decanoat häufiger motorischer Unruhe als Nebenwirkung.

Anmerkung: Neben der verglichbaren Wirksamkeit hatte Haldol-Depot in weiteren Punkten wie Gewichtszunahme Vorteile. Die häufigere motorische Unruhe unter Haldol-Depot war zwar statistisch signifikant, insgesamt war der Unterschied zwischen den beiden Präparaten jedoch gering. Des Weiteren sind die atypischen Neuroleptika sind in der Regel viel teurer als die konventionellen.

In den letzten Jahren haben immer mehr Studien zunehmend die zu Beginn Ihrer Markteinführung angepriesenen Vorteile der atypischen Neuroleptika (wie bessere Wirksamkeit, weniger extrapyramidale Nebenwirkungen) im Vergleich zur konventionellen Antipsychotika in Frage gestellt. Die aktuelle Studie (1) zeigt, dass diese Erfahrungen möglicherweise auch für die Depot-Formen zur Langzeitherapie gelten.

1-Joseph P. McEvoy et al: Effectiveness of Paliperidone Palmitate vs Haloperidol Decanoate for Maintenance Treatment of Schizophrenia:A Randomized Clinical Trial JAMA. 2014;311(19):1978-1987. doi:10.1001/jama.2014.4310

 

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