Vergleich von niedriger und mittlerer Dosierung von Quetiapin in Retardform bei Borderline Persönlichkeitsstörung – Eine randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie.

Anmerkung: Derzeit ist kein Medikament bekannt, welches eine Borderline Störung ursächlich behandeln könnte – im Vordergrund steht nach wie vor die Psychotherapie in ihren verschiedenen Formen. Bei adjuvanter medikamentöser Therapie wird daher vor allem symptomatisch behandelt, insbesondere Antidepressiva werden vermehrt off-label verschrieben.

Eine aktuelle Studie (1) verglich die Effektivität und Verträglichkeit von einer niedrigen bzw. mittleren Dosis des atypischen Neuroleptikums Quetiapin mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (Retard Präparat, in Deutschland als „Seroquel Prolong" erhältlich) bei erwachsenen Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörung.

95 Patienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung (diagnostiziert nach DSM-IV Kriterien) wurden per Zufallsprinzip einer von zwei Behandlungsgruppen mit unterschiedlich hohen Dosierungen Quetiapins oder einer Plazebogruppe (N=29). Die Behandlungsgruppe mit niedriger Dosierung erhielt 150mg/Tag (N=33), die Gruppe mit einer hohen Dosierung 300 mg/Tag (N=33). Verglichen wurde die Veränderung des klinischen Schweregrads von Borderline Symptomen (mittels Zanarini Bewertungsskala für Borderline Persönlichkeitsstörungen). Zur statistischen Auswertung wurde ein gemischtes Modell verwendet, welches Patienten der Gruppe mit niedriger Dosierung wiesen eine signifikante Verbesserung von Borderline Symptomen auf verglichen mit der Plazebogruppe.

Das Ansprechzeit (definiert als Verminderung der Punktzahl um 50% oder mehr auf der Zanarini Skala) war signifikant kürzer für beide Behandlungsgruppen im Vergleich zur Plazebobehandlung (Hazard Ratio = 2.54 bei niedriger Dosierung bzw. HR = 2.37 bei hoher Dosierung).

Unter den Patienten, welche die 8 wöchige doppelblind Phase erfolgreich abschlossen (insgesamt 67% aller Studienteilnehmer, 67% bei niedriger Dosierung, 58% bei hoher Dosierung, 79% bei Plazebobehandlung), zeigten in der Gruppe mit niedriger Dosierung 82% ein Behandlungsansprechen – in der Gruppe mit mittlerer Dosierung waren es 74%, bei der Plazebogruppe 48%.

Nebenwirkungen waren vor allem Somnolenz, Veränderungen des Appetits, sowie ein trockener Mund. Patienten welche unter Somnolenz litten, hatten ein höheres Risiko die Studie abzubrechen.

Fazit: Borderline Patienten die mit niedriger Dosis (150mg/Tag) Quetiapin behandelt wurden, haben eine signifikante klinische Verbesserung gezeigt im Vergleich zur Plazebogruppe. Nebenwirkungen traten häufiger in der Gruppe mit mittlerer Tagesdosis Quetiapin (300mg) auf und führten eher zu einem Behandlungsabbruch.

Anmerkungen: Bekanntlich ist Borderline-Störung schwierig zu behandeln, daher sind die Ergebnisse dieser Studie sind vielversprechend. Einziger Schönheitsfehler ist die kurze Beobachtungszeit mit 8 Wochen, die die Aussagekraft der Studie einschränkt.

1-Black DW et al. Comparison of low and moderate dosages of extended-release quetiapine in borderline personality disorder: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Am J Psychiatry 2014; doi:10.1176/appi.ajp.2014.13101348

 

 

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