Schwere Depressionen gehen gelegentlich mit entzündlichen Reaktionen einher, deren Ursache noch unklar ist. Eine aktuelle Studie (1) überprüfte die Annahme, dass der CRP-Spiegel als Biomarker für systemische Entzündung die Ansprechrate auf das SSRI Escitalopram (Cipralex) und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Nortriptylin (Nortrilen) voraussagen kann.

Die Hypothese wurde in der randomisierten GENDEP-Studie (Genome-Based Therapeutic Drugs for Depression) getestet. CRP wurde bei 241 Erwachsenen mit schwerer Depression gemessen. Die Teilnehmer wurden anschliessend 12 Wochen lang entweder mit Escitalopram oder Nortriptylin behandelt. Das primäre Outcome wurde mit der MADRS-Score (Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale) bestimmt.

Insgesamt zeigten sich beide Therapien ähnlich effektiv. Niedrige CRP-Ausgangswerte (< 1mg/L) waren mit einer besseren Ansprechrate auf Escitalopram than als Nortriptylin assoziiert. Patienten mit hohen CRP-Ausgangswerten (> 3mg/L) sprachen umgekehrt besser auf Nortriptylin als Escitalopram an. CRP-Werte und deren Interaktion mit der Medikation erklärten mehr als 10% der individuellen Unterschiede beim Outcome.

Fazit: Ein einfach durchführbare CRP-Testung als Biomarker für die Auswahl der Antidepressiva kann zur Besserung des Outcome bei schwerer Depression durch personifizierte Therapie beitragen.

Anmerkung: Eine Studie mit Ergebnissen, die auch in der täglichen Praxis schnell umgesetzt werden könnten, wenn auch bisher Erklärungsansätze für die Rolle der Entzündungs-Biomarker bei Depression noch fehlen.

1-Uher R et al. An inflammatory biomarker as a differential predictor of outcome of depression treatment with escitalopram and nortriptyline. Am J Psychiatry. 2014 Jul 14. doi: 10.1176/appi.ajp.2014.14010094

 

 

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