Frei#  Präoperative Reduktion des HbA1c auf weniger als 7% vor Implantation einer Totalendoprothese im Gelenk - für einige Diabetiker ein nicht erreichbares Ziel.

Patienten mit einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen (vor allem Infektionen) und eine erhöhte Mortalität nach einer operativen Gelenkversorgung mit Totalendoprothese. Einige Zentren haben daher einen Grenzwert für den HbA1c-Wert festgelegt, über dem die Operation verschoben wird bis eine bessere Kontrolle des Glukosestoffwechsels gewährleistet ist. Wissenschaftler untersuchten in einer aktuellen Studie (1) wie viele Diabetiker ihren Operationstermin aufgrund von HbA1c-Werten >7% verschieben mussten, wie viele von diesen Patienten nachfolgend dieses Ziel doch noch erreichen konnten und wie lange sie dafür brauchten.

Die Studie enthielt eine retrospektive Datenanalyse aus Krankenakten eines Zentrums für die medizinische Versorgung von Kriegsveteranen. Patienten mit einem initialen HbA1c von >7% wurden an Ihren Hausarzt zurückverwiesen um eine bessere Blutzuckereinstellung zu gewährleisten. In Abwägung des Zustands des Patienten wurde die Operation nur dann durchgeführt wenn der Patient einen Wert von ?7% erreicht hatte.

Insgesamt wurden 404 Patienten mit Diabetes mellitus für die operative Versorgung mit Totalendoprothese eingeplant. In 59 Fällen wurde die Operation aufgrund eines HbA1c von >7% verschoben. 35 dieser Patienten konnten den Wert auf ?7% innerhalb von 141 Tagen (Mittelwert, minimal 3 bis maximal 1043 Tage) senken. 24 Patienten erreichten dieses Ziel nicht. Falls die Mediziner den Grenzwert auf ?8% festgelegt hätten, wäre die Operation für 30 Patienten verschoben worden und 21 hätten den Wert im späteren Verlauf erreicht.

Bei der Vereinbarung auf ein Ziel zur perioperativen Risikoreduktion sollte darauf geachtet werden, dass dieses auch verwirklicht werden kann. Insgesamt wurde der Zielwert des HbA1c von ?7% von 380 der 404 Patienten erreicht (94%). Jedoch konnten im späteren Verlauf nur 35 von 59 Patienten, deren Operationstermin verschoben werden musste, den Zielwert erreichen (59%). Einen HbA1c-Wert von 8.0% wiesen 395 (98%) aller Patienten auf. Von den 30 Patienten, welche initial nicht diesen Wert erreichten, konnte im Verlauf bei 21 Diabetikern der HbA1c unter den Grenzwert gesenkt werden.

Fazit: Für einige Diabetiker ist es unter Umständen nicht möglich einen HbA1c-Wert von ?7% zu erreichen. Gerade für diese Patienten würde ein präoperativ angesetzter unrealistischer Grenzwert den Zugang zur operativen Versorgung mit einer Totalendoprothese verwehren.

Zudem haben frühere Studien (2) gezeigt, dass strenge präoperative Blutzucker-Kontrolle nicht unbedingt mit häufigereren postoperativen Komplikationen assoziiert ist. Möglicherweise wäre postoperative Blutzucker-Kontrolle der bessere und realistischere Weg,um Komplikationen vorzubeugen, als diesen Patienten die TEP-Operation zu enthalten. Evidenzlevel: IV

1- Giori NJ et al. Many diabetic total joint arthroplasty candidates are unable to achieve a preoperative hemoglobin A1c goal of 7% or less. J Bone Joint Surg Am 2014 Mar 19; 96:500.

2-Adams AL et al. Surgical outcomes of total knee replacement according to diabetes status and glycemic control, 2001 to 2009. J Bone Joint Surg Am 2013 Mar 20; 95:481

 

 

 

 

 

 

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