Frei#  Der INR-Wert (International Normalized Ratio, ein weltweit in Laboratorien standardisiertes Verfahren zur Beurteilung der Blutgerinnung) wurde ursprünglich zur Überwachung der Dosierung der Vitamin-K-Antagonisten (Marcumar und co.) eingeführt. Sein Einsatz hat sich jedoch verallgemeinert. Aktuell wird der INR auch als Entscheidungshilfe zur Behandlung stabiler chirurgischer Trauma Patienten genutzt, ob eine signifikante Koagulopathie vorliegt, und somit der Patient mit gefrorenem Frisch-Plasma (GFP) behandelt werden sollte.

Die Autoren dieser Studie vermuten, dass Gerinnungsstörungen nicht vom INR-Wert widergespiegelt werden, und dass dieser somit nicht als Leitlinie der GFP-Therapie bei stabilen chirurgischen und Trauma-Patienten verwendet werden sollte.

Die Autoren sammelten prospektive Beobachtungsdaten von stabilen chirurgischen und Trauma-Patienten die eine GFP-Transfusion erhalten hatten (n=106). Vor und nach der Transfusion wurden Blutproben entnommen, zur Beurteilung des großen Blutbilds, der Standard-Gerinnungsparameter (INR, partielle Thromboplastinzeit, Fibrinogen und D-Dimere), der löslichen Gerinnungsfaktoren (II, V, VII, VIII, IX, X, XI, XII, Protein C und Protein S) und zur Erstellung einer Tromboelastographie (TEG, ein diagnostisches Verfahren mit dem die Gerinnungseigenschaften von Vollblut untersucht werden können; die TEG ermöglicht im Gegensatz zur klassischen Gerinnungsanalytik auch eine Beurteilung der Clotfestigkeit und –stabilität). Die Datenanalyse erfolgte anhand des Mann-Whitney U-Tests. Signifikanz wurde als p<0,05 definiert.

Insgesamt 262 GFP-Einheiten wurden transfundiert, womit 78% der 106 Patienten zwei oder mehr GFP-Einheiten erhielten. Obwohl sich eine Reduktion des INRs zeigte, blieben die medianen TEG-Werte innerhalb normaler Grenzen, und die Gerinnungsfaktoren behielten ihre angemessene Funktion bei, so dass vor und nach der GFP-Transfusion eine normale Gerinnung möglich war.

Fazit: Die Autoren schlussfolgern, dass der Einsatz von Gefrorenes-Frisch-Plasma -Transfusionen bei stabilen chirurgischen Trauma-Patienten keinen klinisch relevanten Einfluss auf den Gerinnungsstatus hatte (basierend auf den Ergebnissen der Thrombelastographie und der Messung der Funktion der Gerinnungsfaktoren). Der INR-Wert ist kein Prädiktor von Gerinnungsstörungen und sollte nicht als Orientierung zur Gerinnungsfaktor-Transfusion bei stabilen chirurgischen Trauma-Patienten genutzt werden. Tromboelastographie (TEG) wäre dafür die bessere Wahl.

1-McCully SP et al. The International Normalized Ratio overestimates coagulopathy in stable trauma and surgical patients. J Trauma Acute Care Surg 2013 Dec; 75:947.

 

 

 

 

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