Antibiotika haben möglicherweise mit Warfarin Wechselwirkungen, sodass sie möglicherweise das Blutungsrisiko bei oral antikoagulierten Patienten steigern können.

[Hintergrundinformation: Warfarin [Coumadin®) ist ein Vitamin-K-Antagonist (VKA). In Deutschland wird häufig der andere VKA Phenprocoumon (Marcumar®] eingesetzt.]

Eine retrospektive US-Studie (1) untersuchte anhand einer Kohorte aus Veteranen, die Warfarin mindestens 30 Tage lang ohne Unterbrechung eingenommen hatten, das Blutungsrisiko unter VKA. Die Studie erfasste die Zeit von 2002 bis 2008. Folgende Antibiotika wurden als Hochrisiko-Antibiotika in Bezug auf Wechselwirkung mit Warfarin angesehen: Trimethoprim/Sulfamethoxazole (TMP/SMX), Ciprofloxacin, Levofloxacin, Metronidazol, Fluconazol, Azithromycin, und Clarithromycin. Als Niedrigrisiko-Antibiotika wurden Clindamycin und Cephalexin genannt. Die Autoren hatten das Blutungsrisiko innerhalb von 30 Tagen nach Antibiotika-Einnahme berechnet, und dabei die Komorbiditäten sowie weitere Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigt.

In die Studie wurden 22.272 Patienten aufgenommen, die die Kriterien erfüllten, und Hochrisiko- oder Niedrigrisiko-Antibiotika erhalten hatten. Es gab 93 und 36 Blutungsereignise in den Hoch- und Niedrig-Risiko-Gruppen respektive.

Eine Therapie mit den folgenden Antibiotika war in Kombination mit Warfarin mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert:

-Trimethoprim/Sulfamethoxazol (TMP/SMX; HR 2.09), Ciprofloxacin (HR 1.87), Levofloxacin (HR 1.77), Azithromycin (HR 1.64) und Clarithromycin (HR 2.4).

-Veränderungen des INR-Wertes waren häufig: 9.7% der Patienten hatten unter dem Antimykotikum Fluconazol einen stark erhöhten INR-Wert >6.

-Patienten, bei denen der INR innerhalb von 3 bis 14 Tagen nach Antibiotika-Verschreibung kontrolliert wurde, hatten ein geringeres Blutungsrisiko (HR: 0.61).

Fazit: Bei Patienten unter oraler Antikoagulation mit dem Vitamin-K-Antagonist Warfarin erhöhten die Hochrisiko-Antibiotika signifikant das Blutungsrisiko. Dabei können früher INR-Messungen nach Antibiotika-Verschreibung das Blutungsrisiko verringern.

Anmerkung: Ärzte können bei frühzeitiger Kontrolle mögliche INR-Veränderungen feststellen, und Gegenmaßnahmen -wie Änderung der Dosierungen, Antibiotikum-Wechsel - einleiten.

1-Lane MA et al: Serious bleeding events due to warfarin and antibiotic co-prescription in a cohort of veterans. Am J Med. 2014 Jul;127(7):657-663.e2

 

 

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